Schweden im Winter mit Kindern – ein Träumchen

Unser Plan für den Winterurlaub war: Den Kindern mal einen richtig nordischen Winter zeigen. Finnland mit den bis zu -30 Grad, die wir erlebt hatten, erschien uns mit den Zwergen dann doch zu heftig. Also sollte es (welch Zufall) Norwegen werden. Letztes Jahr kam - wie soll es anders sein - Corona dazwischen. Versuch 2 sollte dann im Winter 2021/22 gestartet werden. Da die Norweger ihre Einreisebestimmungen ziemlich kurzfristig ändern und man dann mit ungeimpften Kindern ganz schnell doof da steht, haben wir im frühen Herbst auf Schweden umgebucht: Torsby in Värmland. Was weiß ich über Värmland? Hm – naja, im Internet gibt es viele schöne Bilder von der Region, ein paar Skigebiete, viele Seen und noch viel mehr Wald - mehr weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber ist ja eigentlich auch egal. Hauptsache raus hier, Hauptsache Nordvirus füttern und Hauptsache Zeit mit der Familie!

 

Wir schaffen es tatsächlich, uns vorher noch zu Boostern, die Kinder stehen schulisch ja unter Dauertestung und wir umschiffen gekonnt zu viele Kontakte und jegliche Quarantänen, auch Hundis umgeknickte Pfote heilt just-in-time, sodass wir alle fit und gesund bereit sind für den Start in ein neues kleines Nord-Abenteuer.

Donnerstag, 23.12.21

Bei -6 Grad sitzen wir im Auto – nein, nicht pünktlich: Wir kommen eine dreiviertel Stunde später los als gewünscht, aber da ich meine Pappenheimer ja kenne, habe ich ziemlich viel Puffer eingeplant. Um 7.45 Uhr also starten wir in der Pfalz in Richtung Kiel. Kaum zu glauben, aber wahr: wir kommen lediglich in einen einzigen 10-minütigen Ministau am Elbtunnel – was für ein Glück! Richtung Süden gibt es mehrere Unfälle (und Staus). In Höhe Hamburg beginnt richtig heftiges Schneegestöber, sodass die Autobahn bald mit Schnee bedeckt ist und wir unser Tempo stark drosseln müssen, geräumt wird hier nämlich nichts! 

In Kiel fahren wir noch kurz an den Nordostsee-Kanal, um eine kleine Hunderunde im Schnee zu machen – es ist richtig schön hier, der Schnee knirscht bei jedem Schritt unter den Füßen (ich liiiiebe dieses Geräusch) - zum Einstimmen perfekt! Es ist mittlerweile schon 16.45 Uhr, zum Fähranleger sind es eigentlich nur 20 Minuten, aber bei diesen Schneeverhältnissen und vorweihnachtlichem Berufsverkehr weiß man ja nie. Also wird es nur eine etwas kleinere Runde bevor wir zum Check-in der Stenaline fahren. Wir stehen nur kurz an bei Ausweis- und Covidzertifikatskontrolle, können sofort auf‘s Schiff fahren und unsere Kabine beziehen. Bei der Stena gibt es Hundekabinen, unserem Hund springt die Dankbarkeit förmlich aus dem Gesicht. Er kann fast die ganze Zeit bei uns sein. Der Außenbereich auf dem Hundedeck ist allerdings etwas widerlich, man muss im Zickzack um diverse Pfützen gehen. Hier verbringen wir nur die maximal nötige Zeit, zumal Hundi ja gerade einen schönen Spaziergang gemacht hat. Das Schiff ist so gut wie leer und die Anzahl der Passagiere überschaubar, wirklich sehr angenehm.

 

Wir haben so richtig Hunger und gehen ins Buffet-Restaurant - bei den Preisen zieht es einem zwar fast die Hose aus, aber was soll‘s - es ist Urlaub! Es ist richtig lecker und für jeden Geschmack etwas dabei. Wir schlendern noch ein bisschen über das Schiff und gehen hoch auf’s „Sonnendeck“ – da es im Winter natürlich früh dunkel ist, kann man leider nichts von der Kieler Förde sehen – also kann man sich die Hafenausfahrt an Deck getrost sparen. Und da wir eh alle hundemüde sind, gehen wir schön früh schlafen. Schiffsschlaf mit Urlaubsvorfreude ist und bleibt der beste!!

Freitag, 24.12.21

Heilig Abend. Besser gesagt: Heilig Morgen. Uns allen geht es prima. Wir sind durch die Bank super gelaunt… wir haben ja auch allen Grund: es hat geklappt mit dem Urlaub! Wir sind auf dem Schiff und legen bald in Schweden an. Außerdem wartet ein umfangreiches Buffet auf uns - was will man mehr? Im Gegensatz zu den Preisen beim Abendbuffet sind die Frühstückspreise total in Ordnung! Um halb acht sitzen wir gemütlich beim Essen und ich muss immer wieder staunen, wieviel die Kinder verdrücken können, wenn es ihnen schmeckt.

Um 9.15 Uhr legen wir pünktlich an, rollen von der Fähre und werden überhaupt nicht kontrolliert… nicht mal als wir gestenreich mit dem Heimtierpass wedeln, um den Hund beim Zoll anzumelden… ich glaube die Beamten hatten einfach keine Lust. Aber gut - so geht es schneller für uns weiter in den Norden. Es liegt nur eine Puderzucker-Schicht Schnee, ziemlich enttäuschend. Aber ich war ja vorgewarnt, dass wenig Schnee liegt - unsere Husky-Tour wurde uns schon im Vorfeld wegen Schneemangels abgesagt. Aber: Je weiter wir in den Norden fahren, desto kälter und schneereicher wird es. Mit Pinkel- und Gassipausen schaffen wir es in 5 Stunden bis zu unserem Ziel, einer Hütte mitten im Wald nahe des Hovsfjället. Kaum verlassen wir die Hauptstraße ist nichts mehr geräumt, Richtung Hovsfjället sind jedoch noch deutliche Fahrspuren zu erkennen. Zu unserem Ferienhaus muss man jedoch auch diese Straße verlassen und in eine weitere Nebenstraße (im Sommer Schotterpiste) abbiegen, hier liegt nun richtig Schnee (da ist übrigens nicht mal der Google-Streetview-Wagen entlang gefahren). Nach ein paar Minuten erreichen wir unsere rote Hütte im Wald. Es ist viertel vor drei, wir laden so lange es noch hell ist das Auto aus. Die Kinder schnappen sich ihre kleinen Schaufeln, graben und toben im Schnee - es sind -12 Grad, das scheint die zwei nicht zu stören. 

Während wir aus- und einräumen, lernen wir Nele und Alex kennen, ein deutsches Auswanderer Pärchen, das zurzeit ein Haus in Nordschweden sucht und sich vorübergehend hier im Nebenhaus einquartiert hat. Sehr nett die zwei. Wir überlegen noch, wo denn heute Abend das Christkind die Geschenke hin bringen könnte, immerhin haben wir daheim einen Zettel hinterlassen, wir seien in Schweden. Als wir uns im Geheimen für die kleine Kota entschieden haben, verkünden uns die Kinder, dass sie eine Art Nest für die Geschenke gebaut haben, sogar mit Tannenzweigen aus dem Wald ausgepolstert, damit die Geschenke im Schnee nicht nass werden… was soll man dazu noch sagen. 

Später, als es dunkel und unsere Tochter abgelenkt ist (der Große weiß schon, dass ich das Christkind bin), schleiche ich mich raus und bestücke das Geschenkenest. Irgendwann mag die Kleine rausgehen und doch mal schauen, ob das Christkind uns überhaupt gefunden hat… die Freude ist natürlich riesengroß, als sie das gefüllte Nest entdeckt. Freudig wird alles ins Warme getragen und unter Beschallung von Weihnachtsmusik ausgepackt. Es ist einfach herrlich diese leuchtenden Kinderaugen zu sehen und mitzubekommen, wie Magie hier noch wirkt.

Natürlich wird mit den Geschenken gleich gespielt und gelesen, während ich Abendessen mache. Die „Kochecke“ besteht hier nur aus so einer mobilen Doppelkochplatte, die in einer Nische steht - eine kleine Herausforderung für vier Personen hier zu kochen... Da wir auch die ersten Tage hier nicht einkaufen können, habe ich uns mit Fertigfutter eingedeckt (das kann man gut auf zwei Platten zubereiten). 

 

Wir lassen den Abend mega gemütlich ausklingen. Es ist einfach nur schön hier, wir sind glücklich und dankbar, hier zu sein.

Samstag, 25.12.21

Wecker brauchen wir keinen, wir haben ja Kinder. Die gehen früher los, als ich den Wecker gestellt hätte…

Ab 8 Uhr kann man die Umrisse der Bäume so langsam vom Himmel unterscheiden, so ganz gemächlich setzt die Dämmerung ein. Wirklich hell ist es aber erst gegen neun, die Sonne geht um circa zehn Uhr auf. 

Wir möchten heute mal die Umgebung erkunden und eine Schneewanderung machen. Wanderwege starten direkt hinter dem Haus und Mäppi (die App Maps.me) zeigt mir in 35 Minuten Entfernung einen See - allerdings muss man bedenken, dass dies die Zeitangabe für eine Sommerwanderung ist - im Schnee dauert das natürlich länger. Egal, wir laufen einfach mal um 10 Uhr los, es sind -12 Grad, herrlicher Sonnenschein, klare Luft und wolkenloser Himmel. Zunächst geht es ein Stück durch den Wald, ein Weilchen über einen Forstweg und danach kommt endlich der Teil, so wie ich mir eine Winterwanderung vorgestellt habe: mitten durch den Wald, teilweise ohne erkennbaren Weg. Hier ist der Schnee auch etwas höher, langsam erreicht die Sonne die Baumwipfel und dann entdecken wir noch Spuren von einem Wolf. Diese sieht man später am See (bzw. auf dem See) ganz deutlich. Den See erreichen wir nach einer Stunde, zugefrorenen und verschneit glitzert er im Sonnenlicht. Auf dem See können wir Langlaufspuren erkennen, mein Mann macht noch einen Festigkeits-Test, aber da wir wissen, dass es hier seit Wochen durchgehend Minusgrade bis -20 Grad hatte, trauen wir uns dann doch alle auf’s Eis. Es ist einfach nur herrlich. Wir gehen auf dem See spazieren, die Kinder machen diverse Schneeengel, finden es toll mitten AUF einem See zu liegen, der Hund wälzt sich genüsslich im Schnee und auf dem See in der Sonne sitzend trinken wir Tee und lassen es uns einfach gut gehen. Wie ist das herrlich hier! Fast eine Stunde verweilen wir, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Zuhause angekommen gibt es noch einen heißen Tee und Kekse, danach jage ich die Kinder wieder raus, damit sie weiter im Schnee etwas bauen können. Sie toben bis Einbruch der Dunkelheit draußen. Sonnenuntergang ist bereits um 15 Uhr, natürlich ist es dann noch nicht dunkel. Drinnen bespielen wir noch die Weihnachtsgeschenke und ich wärme abends weiteres Fertigfutter.

 

Als ich gegen 21 Uhr meine Hunderunde mache ist es wirklich stockfinstere Nacht. Die Bäume werfen im Licht der Stirnlampe lange Schatten, da lässt mich das Knacken neben mir im Wald doch ein bisschen schaudern – es wird ein etwas kürzerer Spaziergang ;-) 

Sonntag, 26.12.21

Unsere beiden Lebendwecker funktionieren vorzüglich – ganz ohne Batterie. Heute hatte ich meinen Handy-Wecker auf halb acht gestellt, wie „praktisch“, dass wir nun schon vorher wach sind (liegt halt auch daran, dass wir in diesem winzigen Häuschen alle Viere zusammen in einem kleinen Zimmer schlafen, das mit zwei Stockbetten ausgestattet ist).

Nach dem Frühstück befreit mein Mann das Auto von der ziemlich dicken Eisschicht, während ich mit den Kindern noch eine Runde mit Hundi durch den Wald drehe. Es ist ein wunderbarer Morgen, der Himmel und die Luft sind klar wie Wodka. (Komischer Vergleich… und das, obwohl ich nicht mal Wodka trinke). Unterwegs entdecken wir Hasenspuren. Der Größe der Spuren nach muss hier ein echter Monsterhase unterwegs sein - ich muss unweigerlich an Monty Pythons Killerkaninchen aus „Ritter der Kokosnuss“ denken…

Heute fahren wir Richtung Ekshärad, dort in der Nähe gibt es einen Elchpark, in dem ich eine Tour gebucht habe. Puh - die WetterApp gibt -18 Grad für dort an… wird sportlich mit den Kindern!

In knapp 50 Minuten sind wir Vorort und nach einer kurzen Wartezeit geht es los. James, Mitbesitzer des Parks, erzählt uns auf Englisch viel Interessantes über die Lebens- und Verhaltensweisen der Elche. Ich finde es super, aber den Kindern wird langweilig (ich übersetze zwar, aber natürlich nicht alles) und vor allem frieren ihnen beim Stehen so langsam die Zehen ein. Noch ein paar Verhaltensregeln und dann geht es endlich los zu den Elchen. Meine Güte, sind die groß! Einem der männlichen Tiere sollen wir uns nur auf Astlänge nähern… Gustav ist eben nicht so zutraulich. Dafür dürfen wir die beiden Damen und auch die Einjährigen aus der Hand füttern und streicheln. Was soll ich sagen - ich habe mich unsterblich in die knuffig weichen Knubbelnasen der Elche verliebt. Die schnüffeln so zärtlich an den Händen, ganz vorsichtig - da ist jedes Pferd weniger zimperlich! Diese Nase, so flauschig, einfach herrlich. Und die haben so ein süßes Dreieck vorn auf der Spitze. Ich krieg mich gar nicht mehr ein, vor allem auch weil die so lustige Geräusche machen, fast wie mein Hund, wenn er unzufrieden ist, weil er mehr Leckerlies will. Wir sind die letzten, die noch bei den Elchen stehen, auch meine Kinder sind hin und weg und haben die Kälte vergessen. Alle anderen Frostbeulen sind schon vor zum Haus gelaufen, dort gibt es einen Souvenirshop, den wir dann auch noch besuchen und was elchiges kaufen. Total zufrieden fahren wir bei herrlichem Wetter zurück. 

Daheim angekommen erwartet uns unser Grautier, grunzend vor Freude (fast elchig, diese Geräusche) und mein Sohn und ich machen noch einen Spaziergang, mal in die andere Richtung. Es ist schon halb drei, also bald Sonnenuntergang. Da wir mitten im Wald sind, können wir die Farbenpracht am Himmel nur erahnen, die wir durch die Bäume spitzeln sehen. Zwischen Orange und Rosa sind alle Farben dabei. Wir laufen bis zu einem kleinen See (auf den wir natürlich drauf müssen). Nach einer Stunde kommen wir im Dämmerlicht wieder Heim. Wenn es so schnell dunkel ist, was bleibt da? Natürlich lesen und spielen, es ist einfach nur gemütlich hier. Nur irgendwie schade, dass der Fernseher nicht geht… Wir wollen zwar nicht viel schauen, aber so ein bissl wäre ganz nett gewesen. 

Heute kommt die große Herausforderung: Kochen mit drei Töpfen auf zwei Platten. Organisatorische Herausforderung! Aber irgendwie klappt es. Zumindest sind abends alle zufrieden und satt, was will man mehr?

Montag, 27.12.21

Schon seltsam, wir liegen tatsächlich bis 8 Uhr im Bett - welch Luxus! Ein bisschen Rumgegammele bis halb neun, mehr kann ich bei den ach so hungrigen Kindern nicht raus schlagen. Immerhin wird es ja nun auch so ganz gemächlich hell. 

Nach einem seeeehr entspannten Frühstück möchte ich eine kleine Kurzwanderung zum Aussichtspunkt hier um die Ecke machen. Immerhin ist ab morgen Neuschnee angesagt und aus ist‘s mit der Aussicht. Die 5 Minuten zum Ausgangspunkt fahren wir den Berg hoch. Der Einstieg ist nur anhand eines Schildes zu finden, ein Weg oder Pfad ist nicht zu erkennen. Es kommt aber viel schlimmer: es gibt keinen Weg mehr. Durch massive Abholzung liegt wirklich alles kreuz und quer, Bäume, Äste, Zweige verstreut und in Haufen, überdeckt mit Schnee… ziemlich unschön. Uns ist hier schon desöfteren aufgefallen, dass hier ganze Areale komplett abgeholzt werden - also nicht wie bei uns genau geschaut wird, welche Bäume entnommen werden sollen und welche bestehen bleiben, sondern riesige Flächen sind dann einfach kahl. Irgendwie bahnen wir uns unseren Weg da durch und machen dann doch noch eine schöne Entdeckung: Elchspuren :) Nach einer halben Stunde kommen wir am Rande der abgeholzten Fläche an und erkennen endlich den eigentlichen Wanderweg im Wald. Noch ein kurzes Stück weiter und wir sind da. Es ist echt total schön hier oben, die Sicht auf Seen, Hügel und Nebelschwaden im Sonnenlicht ist einfach herrlich. Wie soll es anders sein: Hund und Kinder wälzen sich im Schnee. Manchmal frage ich mich, ob das Kinder, die ohne Hund aufwachsen, auch machen? 

Zurück zu Hause gibt‘s noch einen heißen Tee, Schokomilch und Kekse bevor sich die Kinder für den Skikurs umziehen. Das Skisenter auf dem Hovfjället ist gerade mal 10 Minuten entfernt. Es ist ein echt schnuckelig kleines Skigebiet und somit finden wir den Skilehrer Andreas auch gleich. Er ist super nett und sympathisch, er spricht Englisch und bittet einen von uns dabei zu bleiben, um zu übersetzen. Es klappt total gut, die Kinder sind extrem lernwillig und haben viel Spaß, der Ehrgeiz ist geweckt. Nach kurzer Zeit machen sie richtig gute Fortschritte, die Stunde ist schnell rum. Andreas verabschiedet sich und als er weg ist fällt mir ein, dass ich zwar gebucht, aber noch gar nichts bezahlt habe… sowas kann einem ja auch nur in Skandinavien passieren… wir glauben jedenfalls nicht, dass in Deutschland diese Skistunde stattgefunden hätte, wenn das Finanzielle nicht im Vorfeld geklärt gewesen wäre. Wir bleiben noch eine Stunde zum Üben, der Himmel ist zwischenzeitlich total zugezogen, die Wolken hängen tief. Heute Nacht soll es schneien. 

Bevor wir Heim fahren gehen wir noch im Supermarkt in Torsby (20 Minuten von unserem Ferienhaus entfernt) einkaufen (wie in Norwegen laufen hier alle ohne Maske rum) und decken uns mit Leckereien ein. Zum ersten Mal in meinem Leben kaufe ich Joghurt in Tetrapacks – Gießjoghurt sozusagen, zu meiner aller größten Freude gibt es Brunost aus dem Gudbrandsdalen… ein kleines Stück Norwegen in meiner Hand!

Jetzt aber schnell nach Hause, ich muss mit dem Grautier im Dunkeln noch eine Runde drehen… immer noch etwas gruselig, aber so langsam gewöhne ich mich dran. 

Heute muss der Erasco-Eintopf dran glauben und nach dem Essen wird passend zu nordischen Gefilden das neue Wikinger-Spiel gespielt :-).

 

Die Kinder sind vom Skifahren richtig geschafft, aber glücklich. Aktivitäten an der frischen kalten Luft machen nicht nur die Kinder müde, auch ich gehe hier gern mit meinem Buch früh ins Bett und schlummere wunderbar ein. 

Dienstag, 28.12.21

Einmal wieder so viel Energie haben, wir ein Kind… das wär was! Ihre Akkus laden sich einfach irre schnell auf. Um sieben Uhr sind sie trotz Finsternis draußen hell wach. Heute Nacht hat es geschneit, auch jetzt fallen noch Flocken vom Himmel. Nach einem ausgiebigen gemütlichen Frühstück mache ich mich auf durch den Wald - Hundi und ich sind heute die ersten auf diesem Weg, alles ist frisch zugeschneit, es ist herrlich! 

Anfangs fand ich es schade, dass nicht so viel Schnee liegt, aber jetzt bin ich ziemlich froh. Zum einen kann man ohne Schneeschuhe mitten durch den Wald spazieren gehen, zum anderen fahren keine Schneemobile herum. So sehr ich die Schneemobiltouren selbst genossen habe, wenn ich mir vorstelle, dass die Route hinter unserem Haus vorbei führt, so ist es richtig toll, dass wir diesen Lärm jetzt nicht um uns haben. Mein Hund hört vor lauter Freude gar nicht mehr auf, sich im Schnee zu wälzen, er liiiiiebt Schnee. Wieder zu Hause packen wir die Skisachen zusammen und sind kurz nach 12 auf der Piste. Also am kleinen Hang, damit die Kinder das gestern Gelernte vertiefen können. Unglaublich, wie schnell sie alles verinnerlichen - und schon bald stapfen wir immer höher, damit die Abfahrten länger und länger werden. Es ist ziemlich zugezogen, aber manchmal schimmert die Sonne diffus durch die Wolken, es ist toll hier oben. Durch den Neuschnee, der nun auch auf den Bäumen liegt, ist nun die Landschaft ein wunderschönes Winterwonderland geworden. Ich setze mich mal kurz ab und stapfe durch den Schnee neben der Piste - lässt man den ersten Hügel hinter sich, ist man ganz alleine und man kann kaum glauben, dass ganz in der Nähe Skiebtrieb ist (man hört nicht einmal was…). Schneeschuhe wären hier jetzt doch gut. Aber ich wollte ja nur mal kurz kucken! Nach über zwei Stunden fahren wir wieder zurück und es ist 15 Uhr (also Sonnenuntergang), als ich mit dem Hund zu einer neuen Runde starte. Die blaue Stunde hat zu Recht ihren Namen - es schimmert wirklich alles blau! Nach dem ganzen Trubel heute genieße ich mal wieder die Zeit alleine im Wald! 

Heute wollen wir in der Kota grillen. (Zumindest die Finnen nennen es Kota). Erst wird Feuer gemacht, jetzt ist es urgemütlich, richtig „koselig“, hygge pur! Wunderbar! Wir sitzen hier zusammen, schauen in das knisternde Feuer und ich erfinde eine Trollgeschichte von einem Troll, der hier um die Ecke wohnt und vom hyggeligen Licht der Kota angelockt wird, sich aber natürlich nicht zu den Menschen traut... Wir grillen in der Hytte, essen dann aber im Haus.

 

Nach dem Essen spielen wir noch das Kartenspiel „Neinhorn“ und lachen uns alle Viere scheckig. Es ist schön, so viel unbekümmerte Zeit mit der Familie zu haben.

Mittwoch, 29.12.21

In Erwartung von Tageslicht macht mein Töchterlein um 7.30 Uhr das Rollo hoch. Doch natürlich ist es noch richtig finster. Als dann um 8 Uhr „der Morgen graut“, wie sie sich so schön ausdrückt, ist der Tatendrang wieder vollends geweckt und sie ist dann so penetrant, dass wir dann doch alle aufstehen müssen. 

Der heutige Skikurs beginnt erst um 14 Uhr, so haben wir vorher noch genügend Zeit für „irgendwas“. Nach dem Frühstück machen wir alle gemeinsam einen langen Spaziergang. Wir laufen einfach mal den anderen Weg entlang - den, auf dem wir noch nie ein Auto haben fahren sehen. Nachdem wir circa 25 Minuten gelaufen sind fällt den Kindern ein, dass es hier vielleicht möglich wäre, mit dem Schlitten ein bisschen zu schlittern. Also nochmal zurück laufen, den Schlitten holen und wieder zurück. Ist ja egal… wir haben viel Zeit, bestes Wetter, frische Luft und gute Laune. Leider suchen wir aber vergeblich nach einer geeigneten Stelle. Der Weg selbst ist nicht steil genug und die steileren Hänge sind voll mit Bäumen und Gestrüpp. Nach insgesamt zwei Stunden kommen wir wieder zu Hause an und essen erst mal eine schöne heiße Buchstabensuppe. Bevor wir uns zum Skifahren umziehen können wir uns aber noch etwas ausruhen. 

Zum Skikurs stehen wir pünktlich am Treffpunkt auf dem Hovsfjället. Zur Freude der Kinder ist wieder Andreas ihr Lehrer. Nachdem die zwei ja gestern geübt haben und Andreas mit ihren Leistungen zufrieden ist, geht es heute mit dem Tellerlift bis ganz nach oben (was bei diesem niedlichen Skigebiet auf dieser Piste hier überschaubar ist). Gestern haben die beiden am Rondell das Ziehen mit den Tellern geübt, somit ist auch der echte Lift kein Problem. Da ich ja kein Ski fahre bleibe ich unten, mein Mann fährt mit dem Snowboard mit hoch - immerhin müssen wir den Kindern ja übersetzen, was Andreas sagt. Es ist unglaublich, wie schnell Kinder lernen, die zwei fahren wie die Großen von oben runter, erst im Pflug und dann parallel. Und es macht ihnen sichtlich Spaß!

Nach der Stunde fahren die beiden noch ein bisschen und wollen dann aber noch am Rondell gezogen werden. Da heute eh ein düsterer wolkenverhangener Tag ist (obwohl für heute Mittag Sonnenschein vorhergesagt war), wird es zügig dunkel, so machen wir uns kurz vor vier auf den Heimweg. Zuhause beschließen wir, nach Torsby zu fahren und dort was zu Essen. Wir müssen sowieso noch Tanken und Wasser kaufen (Leitungswasser kann man im Haus nicht wirklich trinken – es ist etwas gelblich).

In Torsby schlendern wir einmal durch die Gassen und bleiben dann im „Oregano“ hängen. Es gibt hier in diesen Straßen ausschließlich Fastfood-Restaurants (zumindest haben wir nichts anderes entdeckt), sodass wir Burger und Kebab zu uns nehmen… voll schwedisch… 🙄

 

Bis wir daheim ankommen ist es schon wieder halb neun, Zeit für die Kinder ein kleines Filmchen zu schauen, danach die allabendliche Leserunde und ab ins Bett. Morgen wird es spannend, wenn mein Mann und die Kinder alleine auf die Piste gehen… habe schon ein bisschen Bammel!

Donnerstag, 30.12.21

Natürlich ist ausschlafen Fehlanzeige… Trotzdem starten wir den Tag gemütlich - zunächst mit einem leckeren Frühstück. Bis wir alle fertig winterfest eingepackt sind und oben auf dem Hovsfjället ankommen, ist es bereits halb zwölf. Für die drei Skihasen löse ich 4-Stunden-Tickets und sie sind kaum zu bremsen. Die ersten zwei Abfahrten schaue ich mir noch an, meine Zwerge sind jedoch mittlerweile so sicher, dass ich beruhigt gehen kann. Hier oben starten auch Wanderwege… Sommerwanderwege, wie ich betonen möchte. Ich liiiiebe meine Mäppi-App, so finde ich auch gleich den Einstieg. Zunächst ist der Weg an den Bäumen gut markiert, auch wenn man aufgrund des Schnees den Weg selbst nicht erkennen kann. Nach kurzer Zeit merke ich, dass es ganz schön anstrengend ist, so ohne Weg durch den Wald zu stapfen. Schön ist es trotzdem - so einsam und still. Ich bin die einzige Bekloppte, die im Neuschnee versinkend eine Wanderung macht. Was soll ich sagen? Die Wolken hängen tief, es ist windig und nicht so richtig hell - klasse. Immer wieder bleibe ich stehen und genieße diese Stille. Nach circa 40 Minuten komme ich an eine kleine Wegkreuzung. Hier habe ich die Möglichkeit, den "Wanderweg" weiter oder den „footpath“ querfeldein zu gehen. Nachdem ich für dieses kurze Stück schon ziemlich lange gebraucht habe, entscheide ich mich für den kürzeren footpath. Nach ein paar Metern bin ich mir jedoch nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee war. Es gibt keinerlei (!) Markierungen und es ist kein Weg in Sicht. Zudem versinke ich zeitweise bis zum Knie im Schnee. Aber was soll‘s - ich habe ja Mäppi! Dem Hund gefällt‘s, er hüpft und wälzt sich im Schnee (sein Opi-Alter von fast 11 Jahren merkt man ihm gar nicht an). Ganz schön anstrengend ist es! Und schön. Wie ich da so vor mich hinstapfe, wird Hundi plötzlich total unruhig und hebt die Nase in die Luft - er hat was gewittert. Ich kenne meinen Hund lange genug, um zu erkennen, dass er eine ganz frische Spur in der Nase hat. Das macht mich doch etwas nervös… und dann: eine ganz frische Elchspur. Oh verdammt. Was würde ich denn jetzt machen, stünde er vor mir? Wegrennen kann ich in diesem tiefen Schnee ohne Weg sowieso nicht. (Ich muss an James Warnungen im Elchpark denken: wenn sich der Elch gestört fühlt, tritt er dich mit seinen gewaltigen Beinen um…). Ich bin nun mal auch mutterseelenallein hier im Wald. Mein Hund will der Spur folgen, ich ziehe aber vehement in die andere Richtung. Irgendwann stoße ich endlich wieder auf den Wanderweg - immerhin gibt es jetzt wieder Markierungen! Das Alleinsein ist einfach herrlich! Nach einer Weile höre ich wieder Geräusche und bin bald auf der Spitze des Hovsfjället (dort, wo der Lift ankommt). Nur zu schade, dass es heute gar keine Sicht gibt! Bald bin ich wieder unten am Skisenter, dort warten schon die Kinder, ich habe nämlich Tee und Leckereien dabei. Ein kurzer Boxenstopp, dann sind die Kinder wieder on Tour, es ist toll, wie sicher sie sich fühlen, wie gut sie fahren. Am Ende fahren sie sogar mit dem Lift alleine hoch und fahren ganz alleine wieder runter. Klasse! Es ist eben auch ein schön kleines Skigebiet und die Mitarbeiter geben total gut Acht auf die Kinder im Lift, stürzt jemand, wird er sofort angehalten. 

Währenddessen hole ich mir noch einen heißen Kaffee – die Frau schaut mich komisch an, als ich den läppischen Kaffee mit Kreditkarte bezahle, woraufhin ich sie anspreche, dass doch in Schweden kein Bargeld mehr genommen würde… Sie lacht und sagt, dass dies in den Städten wohl stimme, hier aber sehr wohl noch die Kronen zum Einsatz kommen… ts ts ts – und ich habe nicht ein Krönchen in der Tasche…

Es zieht immer mehr zu, so packen wir gegen 15 Uhr zusammen. 

Der Neuschnee hat die „Straße“ recht flutschig gemacht. 

Ein Urlaub, in dem alles glatt läuft, wäre ja fast langweilig, also machen wir endlich was Aufregendes: wir rutschen einfach mal von der Straße ab und landen im Graben - und schon ist Spannung garantiert! Hier sind die Gräben neben den Straßen gleich mal so richtig abschüssig. Gefühlt kippt das Auto gleich um! 

Aber was soll ich sagen - das ist zwar ein Haufen Mist, aber im Endeffekt nur ein kleiner Haufen, da dies tatsächlich direkt gegenüber unseres Ferienhauses passiert und wir alle unversehrt aussteigen können. Also haben wir mal wieder ganz viel Glück im Unglück! Dafür sind wir auch sehr dankbar. Zunächst bitten wir Alex, ob er uns mit seinem Volvo raus ziehen kann. Er versucht es… doch leider rutschen wir dadurch nur noch weiter runter. Also bleibt nur eins: den ADAC anrufen, der leitet alles in die Wege. Damit das Auto im mittlerweile stockfinsteren Wald auch gesehen wird, bringen wir blinkende magnetische Warnleuchten an - was man bei Lidl nicht alles Nützliches kaufen kann … Nach einer 3/4 Stunde erhalten wir von einem deutsch sprechenden Holländer einen Anruf, er komme auf jeden Fall heute noch, wisse aber noch nicht genau wann, denn heute sei die Hölle los… wir sind also nicht die einzigen Verunglückten. Wir sagen ihm, er solle sich wegen uns keinen Stress machen, denn uns geht es gut, es muss nur das Auto raus gezogen werden. Man stelle sich mal vor, uns wäre das irgendwo anders mitten im Wald passiert. Da stünde man dann stundenlang mit zwei Kindern in der Kälte… gruselig diese Vorstellung. Viertel vor neun abends kommt dann der Holländer mit einem Riesen LKW angeflogen (fliegender Holländer…), Flutlicht deluxe, gut gelaunt und macht einen guten Job. Obwohl er mit seinem Laster beim Versuch uns rauszuziehen selbst weg rutscht und Schneeketten anlegen muss, können wir über die ganze Situation noch zusammen lachen und ein bisschen erzählen. Er ist vor drei Jahren hierher ausgewandert, liebt Schweden und dieses Lebensgefühl hier, er möchte nicht mehr weg. Verständlich - ein ganz anderer „way of life“.

So können wir beruhigt und zufrieden den Tag abschließen. Alles ist doch gut gegangen.

Freitag, 31.12.21

Der letzte Tag im Jahr beginnt diesig. Das Auto ist ja unbeschadet und so beschließen wir (bzw. in diesem Fall ich), noch eine kleinen Ausflug zu machen. Immerhin habe ich mir beim Warten auf der Skipiste die letzten Tage regelmäßig den Kindern zuliebe die Zehen abgefroren - also darf ich mir auch mal was wünschen. Schweden ist in dieser Region bekanntlich nicht mit hohen Bergen gesegnet, somit kann man von hiesigen Wasserfällen auch nicht so viel „Fall“ erwarten. Aber es gibt sie, die kleinen Wasserfälle. Und ich als Fossenfan muss zumindest einen davon sehen. Wir fahren circa 40 Minuten zum Brattfossen, ein kleiner Wasserfall im schönen Fluss Klarälven. Nach kurzem Fußmarsch vom Parkplatz aus erreichen wir den Foss. Nicht wirklich spektakulär... im Vergleich zu den norwegischen Fällen ist das nichts, aber immerhin plätschert es. Außen herum ist alles gefroren, das Wasser führt ziemlich Schlamm mit sich und ist somit braun. Wenn wir schon mal hier sind, laufen wir einen Teil des ausgewiesenen Wanderweges Klarälvsleden. Er verläuft zunächst am Fluss entlang und wir werden mit wunderschönen Eisskulpturen überrascht. Der Fluss ist mit einer dicken Eisschicht zugefroren, aber an einigen Stellen aufgebrochen. Es sieht aus wie eine Märchenwelt aus Eis - man kann sich vorstellen, dass hier Eistrolle leben - natürlich entdecke ich mit den Kindern auch gleich Eingangstüren, Terrassen und Co. Wir wagen es und laufen auf dem zugefrorenen Fluss, eine spannende Erfahrung für die Kinder (toller Urlaub - erst auf einem See picknicken, dann auf dem zugefrorenen Fluss spazieren). Sowas liebe ich - wenn man ganz unerwartet mit so etwas Schönem überrascht wird. Den Leden laufen wir insgesamt etwas mehr als 3 km durch den Wald. Ein schöner Pfad, meine Waldkinder toben vor sich hin, ein schöner Abschluss. Auf dem Rückweg halten wir nochmal beim Supermarkt und gehen dort ins Kinderparadies: eine knapp 5 m lange Wand mit Süßigkeits-“Containern“ zum Einschaufeln in Tüten. Naja, nicht nur ein Paradies für Kinder! :) Mit Schoki decken wir uns auch noch ein - die norwegische Freia gibt es hier nicht, dafür aber die schwedische Marabou - hat auch Suchtpotential!!

Daheim angekommen geht es leider ans Packen, den Kinder lege ich ans Herz, sich nochmal ausgiebig im Schnee zu beschäftigen. Das tun sie auch, bis zum letzten Lichtstrahl sind sie am Schaufeln, Bauen und Toben, sodass sie später glücklich mit roten Bäckchen ins Haus kommen. Vor dem Abendessen machen wir noch eine ausgiebige Leserunde - „Das Weihnachtsschwein“ will gelesen werden und irgendwie ist es so spannend, dass wir alle Viere wissen wollen, was weiter passiert. Ich lese, bis der Hals trocken wird - und damit ich weiter lesen kann, bringen mir meine Kinder sogar ein Glas Wasser...

Gemütlich löffeln wir zum Abendessen noch eine heiße Suppe, resümieren über den Urlaub, aber auch über das gesamte Jahr. Ein seltsames Jahr. Es hat unschön mit Homeschooling und viel Ungewissheit begonnen. Jedoch sind wir unheimlich dankbar: wir hatten mit dem Sommerurlaub in Norwegen und jetzt auch in Schweden zwei wundervolle Urlaube und wir und unsere Familien sind gesund. Was will man mehr? Wir reden noch über unsere Wünsche für das kommende Jahr … Vorsätze braucht es nicht, daraus wird sowieso nichts ;) 

Die Entscheidung, ob wir auf Teufel komm raus bis Mitternacht wach bleiben sollen, oder ob wir gemütlich ins neue Jahr schlafen, fällt uns nicht schwer. Auch wenn das so mancher nicht versteht - für mich wird um Silvester viel zu viel Tamtam gemacht. Es ist eine Nacht wie jede andere und am nächsten Morgen geht die Sonne auf, man schreibt halt eine andere Zahl ;-) 

Samstag, 1.1.22

Ein neues Jahr - schau einer an: es hat begonnen, auch ohne dass wir um Mitternacht angestoßen haben. Der Wecker geht um 7 Uhr, zufrieden stehen wir auf und ich richte schon mal das Frühstück, lasse aber die Kinder noch im Bett lümmeln - war ja glasklar, dass sie die ganze Woche, als wir hätten lümmeln können immer aufstehen wollten und jetzt, wo sie aufstehen sollen, lümmeln wollen. Wir haben aber keine Eile, also easy going! 

Wir frühstücken und packen den Rest zusammen, dann machen wir noch einen letzten schönen Schneespaziergang - jetzt werde ich wehmütig, denn das Wetter ist bombastisch. -13 Grad und Sonneschein. 

Um 10.30 Uhr verabschieden wir uns noch von den Nachbarn und dann geht es auf Richtung Süden. 

Je weiter südlich wir kommen, desto wärmer wird es und desto weniger Schnee liegt. In Höhe Göteborg haben wir bereits plus 2 Grad und es regnet - Pampenwetter! Leider sind wir noch nicht am Ziel - die gebuchte Fährüberfahrt von Göteborg nach Kiel wurde uns seitens Stenaline storniert, an diesem Tag machen sie keine Fahrt nach Kiel - hatte sich wohl nicht gelohnt. Das war Ende November und ich musste mich nach einer Alternative ohne Transitland umsehen - da blieb nur die Finnline von Malmö nach Travemünde - auch Finnline bietet am heutigen Tag nur eine Abfahrt an: um 22.30 Uhr. Das heißt: wir haben jede Menge Zeit. Schweden ist hier unten sehr dicht besiedelt, an der E 45 bzw. E 20 gibt es viel Industrie, dazu noch das Pampenwetter (mittlerweile sogar 5 Grad) - nicht schön hier, ich bin tatsächlich dankbar, als es kurz nach 16 Uhr dunkel wird, da ist nicht so viel von der Umgebung zu sehen ;-)

Natürlich machen wir auf unserer Fahrt nach Malmö desöfteren Stopps, Pipipausen für Hund und Menschen, kleinere Gassirunden… den letzten Stopp machen wir kurz vor Malmö an einem Parkplatz am Meer - jetzt ist es tatsächlich schade, dass man nichts sieht. Allerdings ist es heftig windig und regnet. Ich mache eine Runde im Stockfinsteren und sehe im Licht der Stirnlampe lauter Karnickel hüpfen, voll super, jetzt zerrt 40-kg-Hund mal richtig an der Leine in der Hoffnung auf ein frisch zappelndes Abendessen. 

Nun aber auf zum Check-in der Finnline. Anders als bei allen anderen Lines muss man dafür parken und in den Terminal zum Check-in hinein gehen. Ich gehe alleine rein, checke für alle ein und bin verwundert, dass ich für 4 Leute (3 davon im Auto) die Tickets bekomme und sie nicht mal die Pässe sehen wollten, kein Zertifikat, nix… 

Wir können gleich auf die Fähre fahren und beziehen unsere Kabinen. Haustierkabine … Ehrlich gesagt etwas schäbig und nicht wirklich sauber, die Seife wurde auch nicht aufgefüllt (wie gut, dass ich immer was dabei habe). Naja - ich bin ja nicht so empfindlich. Das Bett selbst ist sauber und die Überfahrt ist ja nur zum Schlafen da (22.30 - 8.30 Uhr).

 

Wir tingeln noch auf dem kleinen Schiff herum und setzen uns noch in die Bar (erst mal Sessel suchen, die nicht zusammen brechen!), essen dort noch leckere Schokomuffins und verziehen uns zu einer weiteren Leserunde auf die Kabine. Schon doof, wenn man sonst die Colorline gewohnt ist … wir sind einfach zu verwöhnt!

Sonntag, 2.1.21

Gut geschlafen haben wir, der Wecker geht um 7 und um 7.25 Uhr sitzen wir im Frühstücksraum. Das Buffet ist klein, aber okay. Ich habe da auch nicht wirklich hohe Ansprüche - Hauptsache der Kaffee fließt. Da die Fähre klein ist und nur wenige Passagiere an Bord sind, geht alles ganz schnell: Um 8.30 Uhr sitzen wir im Auto und 10 Minuten später sind wir on the road - natürlich grüßt uns Deutschland mit demselben Pampenwetter, wie uns Schweden verabschiedet hat - nur noch ein paar Grad wärmer.

Wir haben wie bei der Hinfahrt verdammt viel Glück und kommen in keinen Stau, so begrüßt uns der Speyerer Dom bereits kurz vor 16 Uhr.

 

 

Fazit: Es war ein wunderschöner Urlaub, wir haben in der kurzen Zeit viel erlebt, haben die Zeit für uns optimal genutzt, alles sehr genossen und sind sehr dankbar. Wir werden sicher Wiederholungstäter!

Speyer heißt uns willkommen :-)