Eine Woche Südnorwegen (18.-25. Juni 2011)

Endlich war es wieder so weit… es ging hoch in den Norden. Leider diesmal nur eine Woche. Wir wollten meinem (gehbehinderten) Schwiegervater seinen Traum erfüllen, einmal in Norwegen Angeln zu gehen… Gesagt, getan: Wir buchten ein Ferienhaus über MachNordferien und die Fährüberfahrt von Hirtshals nach Kristiansand.

Nach einer extrem anstrengenden Nachtfahrt nach Hirtshals, sind wir froh, endlich im Norden Dänemarks angekommen zu sein… Dänemark zieht sich halt echt wie Kaugummi !!! Die Überfahrt mit der ColorLine ist angenehm und wir können ein bissl ausruhen. Norwegen empfängt uns wieder mit strahlendem Sonnenschein… und wie letztes Mal kommt so ein heimeliges Gefühl auf, als wir auf die Küste zufahren: endlich wieder hier!!!

Leuchtturm vor Kristiansand
Leuchtturm vor Kristiansand

Nach knapp drei Stunden Fahrt auf der E39 kommen wir in Hellvik an und müssen erst einmal unseren Vermieter suchen, der uns total erstaunt anschaut… kein gutes Zeichen – er hatte gedacht, wir kommen eine Woche später… Aber da keine Hochsaison ist: kein Problem. Er zeigt uns ein echt schönes Holzhaus mit Blick auf die Bucht, schönem Balkon und reichlich Platz für uns drei! Sauber ist es auch, was will man mehr??
Obwohl es Samstag Abend ist, wir finden in Ogna noch einen kleinen Supermarkt, der mit einer Tankstelle gekoppelt ist und deshalb immer auf hat! Einkaufen, auspacken. Da ich nicht auf meinem Hintern sitzen bleiben kann und das Licht gerade so schön ist, erkunde ich zu Fuß unsere Umgebung und klettere ein bissl auf den Felsen herum…und erhasche geniale Ausblicke…

Eine Weile sitze ich da oben auf „meinem Fels“ und genieße die Landschaft, die Stille, das Alleinsein und die Sonne… irgendwann merke ich, wie müde ich bin und laufe zurück zum aus – jetzt heißt es erst mal: SCHLAF nachholen!

Am nächsten Morgen ist das Wetter durchwachsen. Wir freuen uns auf den ersten Angelausflug und steigen in unser 40-PS-Boot. Ich bin wie immer der „Kapitän“ und das Fahren macht richtig Spaß…leider muss ich drosseln, meinem Schwiegervater wird schlecht…

Wir erkunden unser Angelrevier – man merkt, dass wir am offenen Meer sind: die Wellen sind trotz geringen Windes relativ hoch - hier wird man ganz schön durchgeschaukelt… Uns dreien wird allen schlecht, wenn wir nach unten schauen – also: immer schön den Horizont im Auge behalten!! Wir sind erfolgreich und angeln uns zunächst mal unser Mittagessen … wie gut, dass Schwiegerpapa den größten Fisch angelt und zufrieden ist. Der Vorteil ist, wenn man seinen Schwiegervater mitnimmt: man muss nicht kochen (die ganze Woche steht er mit Begeisterung am Herd und bereitet den Fisch zu!).

Auch montags machen wir das Meer unsicher. Aber als Landeier sind wir wirklich vorsichtig. Wenn es zu arg schaukelt, fahren wir lieber zurück und übertreiben es nicht… zu oft liest man von unvorsichtigen Anglern… nein, dazu gehören wir sicher nicht! Wir fangen ein paar Dorsche, natürlich Makrelen, Köhler, einen Schellfisch und mein Mann einen ganz passablen Leng. Am Nachmittag lasse ich die beiden Männer alleine und seile mich ab. Kirsten aus dem Norwegen-Freunde-Forum hat mich zum Kaffee eingeladen. Ich fahre ins nahegelegene Egersund. Die Landschaft begeistert mich total: die zerklüfteten Felsen, überall liegen große Felsbrocken herum, als hätten Riesen noch einen Moment zuvor damit gespielt und einfach nicht aufgeräumt… Ich treffe Kirsten mit ihrer Familie auf einem Parkplatz… die sind alle so lieb und empfangen mich ganz herzlich. Hinauf geht es nun zu ihrem Haus…als wir ankommen bin ich ganz begeistert von dem Wahnsinns-Wohnzimmerblick auf die Landschaft… DAS würde mir auch gefallen. Ich werde mit Kaffee und selbstgemachten Waffeln verwöhnt und es macht total Spaß, sich mit ihr und ihrem Mann zu unterhalten. Vielen Dank dafür!!!

 

Dienstag: Hochzeitstag! Wir lassen unseren (Schwieger-)Papa daheim und machen eine kleine Tour. Zunächst halten wir an der Bjerkreimselva und schauen am Tengsfossen nicht nur die Lachstreppen, sondern auch die Lachse an ;-)

 

 

Ein wunderschöner Fluss – mein Mann würde am liebsten Angeln, aber da ich ja Wasserfallfan bin, „müssen“ wir unbedingt weiter. Ziel ist der Månafossen. Wir fahren durch die wunderschöne Landschaft, unter anderem durch Nordeuropas größtes Geröllfeld - Gloppedalsura (… noch mehr spielende Riesen …). Wir fahren durch den Frafjordtunnelen bis ans Ende des Tals – wunderschön hier!! Am Parkplatz des Månafossen steht kein anderes Auto. Wie schön, wieder mal sind wir ganz alleine. Wir machen uns auf den steilen Weg hinauf zum Wasserfall (festes Schuhwerk ist hier vonnöten). Ein Seilsystem und hin und wieder ein paar Treppenstufen erleichtern den Aufstieg. Oben angekommen bleibt mir mal wieder die Luft weg… wir stehen vor einer kleinen Schlucht, auf der gegenüberliegenden Seite der phantastische Wasserfall, man hört nur das Wasser, wie es auf die Felsen trifft… einatmen, genießen! 

 

Da wir Schwiegerpapa nicht zu lange alleine lassen wollen, fallen weitere Wanderungen leider flach … Nach ca. 4 Stunden Ausflug kommen wir wieder im Ferienhaus an und hüpfen wieder zum nächsten Angeltörn ins

Boot.

 


Mittwochs gehen wir mal auf Plattfischfang. Nachdem in der gegenüberliegenden Bucht nichts zu holen war, fahren wir auf dem Nordsjøvegen Richtung Norden. In Brusand gibt es einen Zugang zu einem riesigen Sandstrand, an dem sich nur ein paar Surfer tummeln. Hier versuchen die Männer ihr Glück, während ich zu Fuß versuche, das andere Ende des Strands zu erreichen… keine leichte Aufgabe… man ist der Strand lang….!!!

 

Leider beißen die Plattfische auch hier nicht – dann gibt’s heute Abend halt Nudeln. Aber der Ausflug hat sich allein der Landschaft wegen gelohnt!

Donnerstag: was steht an? Natürlich angeln! Da ich aber Bewegung brauche und von Kirsten einen Tipp bekommen habe, wandern wir mittags den Vestlandske Hovedveien entlang. Auch hier wieder: kein Mensch, nur Schafe! Es ist schön gemütlich zu laufen, leider kein Rundweg – nach eineinhalb Stunden drehen wir dann wieder um. Von strahlendem Sonnenschein bis zu Starkregen haben wir auf dieser Kurzwanderung alles. Wunderschöne Ausblicke gibt es auf diesem Weg!

Mist, jetzt ist schon Freitag – eine Woche ist definitiv zu kurz….!!! Die See ist heute sehr aufgewühlt – angeln ist nicht möglich und wir fahren mit dem Boot nur kurz bis ans Ende der Bucht, um die „Möwen zu füttern“ (sprich: Fischreste wegzubringen). Alles andere wäre zu riskant.
Wir machen uns auf ins nahegelegene Städtchen Egersund und bummeln durch die Gassen mit den vielen schönen Holzhäusern. Auf dem Markt will ich Gemüse und auch etwas Petersilie kaufen, habe aber kein Wörterbuch dabei und merke, wie hilfsbereit die Norweger sind: alle Kunden, die am Stand stehen, helfen so lange bei der Wortfindung, bis der Gemüsemann mir ein Büschel „persille“ bringt

Daheim ist packen und räumen angesagt… Ein weinendes und ein lachendes Auge… ich will hier zwar nicht weg, aber daheim wartet mein Hund, der aufgrund der Einfuhrbestimmungen nicht mitkommen konnte – und auf DEN freu ich mich jetzt schon total!! Nie wieder Urlaub ohne Hund!

Am nächsten Morgen übergeben wir das Ferienhaus an unseren Vermieter und fahren Richtung Kristiansand – diesmal nicht die E39 sondern den Nordsjøvegen, die Straße 44. Diese Straße begeistert mich, man fährt durch die unterschiedlichsten Landschaften, die Straße ist teilweise sehr steil und schmal, sie läuft durch lustige Tunnel, vorbei an Felsen, Wasserfällen, Seen, Fjorden… einfach phantastisch. (Ich würde diese Straße ungeübten Wohnwagenfahrern nicht empfehlen.) Unterwegs kommen wir an Helleren vorbei, den Häusern unterm Fels, die am Jössingfjord stehen.

Zwischenzeitlich bekomme ich eine SMS von FJordline, dass die Fähre 2 Stunden Verspätung hat… super! Naja, wir lassen uns halt einfach mehr Zeit beim Fahren, halten hin und wieder und machen etwas, was wir diesen Urlaub noch gar nicht gemacht haben: HotDog an der Tanke essen!!! Hmmmm, lecker!
In Kristiansand müssen wir noch eine Weile warten, bis endlich unsere Fähre kommt. Auf See mit der Mastercat ist es ganz schön „holprig“… ziemlich starker Seegang… aber das Essen schmeckt mir trotzdem. Man kommt sich aber irgendwie sehr klein vor, wenn man auf so einem großen Schiff so durchgeschaukelt wird…

Fazit: Südnorwegen ist traumhaft schön … nur ist eine Woche definitiv zu kurz!!! Aber: wir kommen wieder!