Juli 2010 – Møre og Romsdal – Femundsee - Schweden

Nachdem ich mir am Abend der Abfahrt fast selbst mit einem Küchenschrank das Nasenbein gebrochen habe (...ja, das geht...!), konnte es endlich in meinen zweiten Norwegenurlaub gehen...Juhuuu. Nachts fuhren wir los Richtung Norden – mit ein paar Stunden Schlaf auf einem Rastplatz kamen wir über Fehmarn und kleiner Zwischenfähre (Scandlines) mittags bei strahlendem Sonnenschein in Kopenhagen an, konnten sofort einchecken und unseren wohl verdienten Schlaf nachholen... sodass wir die Ausfahrt aus Kopenhagen verschliefen und erst relativ spät Essen gingen. Die Fähre von DFDS war richtig gut für den Preis, Kabine winzig, aber völlig ausreichend für die paar Stunden!

Donnerstag, 15.7. Oslo - Ringebu / 253 km:

Morgens mit Panoramaaussicht frühstücken und dann wieder die Einfahrt in den Oslofjord genießen... ein ganz wohliges Gefühl macht sich breit, riesige (Vor-)Freude, endlich wieder in Norwegen zu sein...!! Es ist bewölkt und windig, aber trocken.

Wir rollen von der Fähre, faszinierte Blicke können wir auf die neue Oper werfen, aber wir haben nur ein Ziel: raus aus der Stadt, rein in die Natur, in die Einsamkeit!
Wir fahren die 4 Richtung Norden, dann am Randsfjorden entlang ... die Straßen werden schmäler, die Autos weniger, die Wolken dichter... es fängt an zu regnen, dann zu schütten! Aber egal, wir sind ja in Norwegen... und da wir die Einsamkeit hier und jetzt wollen, fahren wir weiter die 250 Richtung Lillehammer, biegen dann aber Richtung Skartlia ab auf einen richtig einsamen Bomvei (Schotterpiste mit vielen Löchern), der zum Dokkfløyvatnet führt. Hier sind wir dann wirklich ganz ganz alleine – wir und die Schafe! Wir machen Rast am See und genießen sogar, dass es so richtig regnet (nachdem wir bei 37°C in Deutschland losgefahren sind, ist das einfach toll).
Als wir dann ins Gudbrandsdalen Richtung Ringebu fahren regnet es nicht mehr, es schüttet - so stark, dass man gerade mal ein paar Meter weit schauen kann – also das andere Ufer habe ich nicht gesehen... und mein Mann schwärmt mir vor, wie schön es hier bei gutem Wetter ist... trotz Regens fahren wir zur Stabkirche und ich bin froh, dass ich meiner Spiegelreflex vorher noch einen „Regenmantel“ gekauft habe :-)

Am Dokkfløyvatnet- einsam!
Am Dokkfløyvatnet- einsam!

Wir fahren auf den Campingplatz Elstad und nehmen (weil die gewässerte Wiese Heringe einstecken unmöglich macht) eine Hytte (290 NOK). Es hat übrigens aufgehört zu regnen und als die Sonne rauskommt gehen wir noch am Fluss spazieren – herrlich!

Freitag, 16.7. Ringebu - Grøa / 235 km: Bei Sonne-Wolken-Mix (ohne Regen) geht’s am nächsten Tag weiter auf den RV27 durch Rondane... ich dachte irgendwie in der Hochsaison ist mehr los auf den Straßen, wir sind fast immer alleine... die Schafe stört es überhaupt nicht, dass wir kommen. Sie bleiben so lange liegen, bis wir irgendwann mal hupen.

Eine ganz tolle und faszinierende Landschaft zieht an uns vorbei...Auch an der architektonisch echt gelungenen Aussichtsplattform am Atnasjøen sind wir wieder ganz alleine. Tolle Aussicht trotz Wolken.

Zwischendurch regnet es hin und wieder, doch je weiter wir Richtung Norden fahren, desto mehr klart es auf, die Sonne strahlt auf dem RV29 und wir fahren auf die E6...die E6 von der ich dachte, sie sei im Hochsommer stark befahren... da war aber nur noch ein anderes Auto...Wir halten bei Magalaupe und bewundern diese phantastischen Felsformationen, von der Natur geschaffen, einfach wieder nur toll!

In Oppdal gehen wir ein bissl einkaufen und fahren die 70 weiter Richtung Fjorde ins Sunndalen. Da wir irgendwie viel mehr Strecke machen, als ich dachte, beschließen wir, noch die Amotan-Wanderung zu machen. Gesagt, getan – bei strahlendem Sonnenschein machen wir uns auf den Weg und sind begeistert von der Schönheit der Wasserfälle und genießen einfach wieder nur, dass wir keiner Menschenseele begegnen, ganz alleine können wir die Natur genießen!

Abends fahren wir dann in Grøa auf den Mini-Campingplatz (Wiese) mit einmaligem Blick auf den Wasserfall.


Samstag, 17.7.
Grøa - Roksvågen / 113 km: So lässt es sich aufstehen: Zelt aufmachen, Wasserfall sehen und dann auch noch der strahlende Sonnenschein – Bilderbuchwetter! Von hier aus erreichen wir schnell unseren ersten Fjord, den Sunndalsfjorden. Wir passieren den Fjord von Rykkjem nach Kvanne mit der Fähre. Von dort aus fahren wir nach Hennset und setzen nach Arasvika auf Ertvagsøya über. Auf dieser kleinen Insel steht in Roksvågen unser Haus... am Ende eines Feldweges in einer Sackgasse – perfekt. Wir haben das Haus mit Boot über Dintur gebucht. Es liegt traumhaft ruhig am Ende eines kleinen Fjordarms des Foldfjorden. Die Vermieter sind einfach mehr als nett, total herzlich empfangen sie uns, zeigen uns Haus und Boot, und sagen noch fast entschuldigend, dass es hier halt einfach sehr ruhig und nichts los ist... TOLL, genau das wollten wir – und wir merken während unseres Auftenthaltes: sie hat Recht! Man hört hier NICHTS, nur ab und zu eine Möwe oder das plätschernde Wasser!!! Bei diesem Wetter können wir nicht anders: ohne unsere Sachen auszupacken springen wir mit unserem Angelkram ins Boot und fahren raus - herrlichstes Wetter und eine so derart traumhafte Landschaft, dass ich teilweise das Angeln vergesse, einfach nur durchatme und die Stille, die Natur, das Wasser, den Fjord genieße!!

Wir angeln uns was zum Abendessen und erkunden „unsere“ Schärenlandschaft mit dem 30 PS-Boot – man, das macht Spaß damit zu fahren!! Wie gut, dass ich vor 1980 geboren bin! Abends gibt es Frischfisch – nur Salz, Pfeffer, Zitrone... lecker!

Sonntag, 18.8. Roksvågen - Trondheim / 158 km: Es regnet. Naja, dann fahren wir eben noch ein Stück in den Norden und besuchen Trondheim. Ein echt schönes Städtchen! Wir besichtigen den Nidarosdom – von außen sehr beeindruckend – innen auch schön, aber unheimlich düster! Wir laufen zum Fluss, zur alten Brücke (Byabru), von der aus man die schönen Pfahlbauten sehen kann.

Als wir weiter laufen, holt uns auch der Regen wieder ein, den wir zwischenzeitlich „Rainer“ getauft haben... irgendwie muss man seine ständigen Begleiter ja nennen. Rainer gibt es sich wieder so richtig und wir fahren „Heim“. Dort regnet es nicht und wir springen wieder ins Boot und angeln uns das Abendessen.

 

Montag bis Mittwoch ist Rainer ständig da, er geht einfach nicht. Naja, dann angeln wir eben mit Rainer. Da kein Wind geht, kein Problem, irgendwie auch schön, es ist so ruhig auf dem Meer, dass man sogar hört, wie der Regen auf das Wasser fällt. Nach ein paar Stunden merke ich, dass die Regenhose ein Loch hat....naja, es wartet ja ein geheiztes Häusle auf uns und wieder Frischfisch.
Unsere Vermieterin sooo lieb: sie hat uns einen Apfelkuchen gebacken – noch nie habe ich einen so guten gegessen... da lässt sich der Regen nochmal besser ertragen!

Einen Tag gehen wir auf Tour: wir wollen die Atlantikstraße sehen und befahren. Rainer will leider nicht zu Hause bleiben, also kommt er mit, den ganzen Tag bleibt er bei uns, der Gute! Wir fahren also die Atlantikstraße entlang und ich bin immer wieder begeistert, welch tolle Brücken die Norweger bauen. Die extra für Angler angebaute Brücke wird vor allem von meinem Mann - dem passionierten Angler - bewundert.

 

Nach der Atlantikstraße fahren wir nach Kvernes zur Stabkirche, die gerade öffnet, als wir kommen. Ein Mädel, schätzungsweise 17 (?), deutsche Auswanderin, macht eine klasse Führung mit und für uns, sie kann uns wirklich alles über die Geschichte der Kirche erzählen. Ganz toll!

Nun geht es weiter Richtung Trollkirche. Rainer hat einen Zahn zugelegt und wir nehmen ihn wohl oder übel mit. Nach 10 Minuten wandern sind wir so nass, dass wir sowieso nicht mehr spüren, dass es regnet. Die Wanderung ist relativ steil und vor allem ist der Weg, der ja nur aus Steinen und Wurzeln besteht, durch die Nässe sehr glischtig, ich bin sehr dankbar für meine guten Wanderschuhe. Die Landschaft fasziniert mich, zum Teil richtiger „Urwald“, ... und ich warte darauf, dass vor mir gleich ein Troll steht.

Bei schönem Wetter muss man hier eine tolle Aussicht haben... Oben angekommen ziehen wir unsere trockenen Sachen drüber und gehen in die Höhle, hier ist es eisig kalt, das Wasser sowieso... Gut, dass die Wanderschuhe wasserdicht sind, denn um zur Marmorgrotte zu kommen, muss man durch das Wasser laufen. Aber alles hat sich gelohnt, so was Schönes!!!!

Den Rest der Woche müssen wir immer wieder mit Rainer angeln gehen, aber alles geht mit der richtigen Kleidung – auch MIT Loch!
Die Ausbeute der Woche kann sich sehen lassen: Wir fangen Dorsch, Köhler, Leng, Lumb, Pollack, Schellfisch, Rotbarsch, Makrele und sogar einen (leckeren) Steinbutt.


Freitags verabschiedet sich Rainer und wir können nochmal bei Bilderbuchwetter den Fjord und die Schärenlandschaft genießen.

Angeln bei Regen - total ruhig und idyllisch!
Angeln bei Regen - total ruhig und idyllisch!
Mein größter Fisch: ein Dorsch! Lecker!
Mein größter Fisch: ein Dorsch! Lecker!

Samstag, 24.7. Roksvågen - Røros / 266 km: Schweren Herzens verabschieden wir uns von den lieben Vermietern und dem traumhaft gelegenen Haus. Um die Hauptstraßen zu meiden fahren wir zwar erst die E39, dann aber querfeldein nach Hoston, Lokken und dann durch’s Fjell Richtung Hovin an der E6 ... dann geht es auf die 30 Richtung Røros. Die Straße führt an einem wunderschönen Fluss, der Gaula entlang – traumhaft ist es hier, überall stehen Angler im Fluss, einfach nur idyllisch.
Unterwegs treffen wir auf wunderschöne Wasserfälle (Eggafossen und Eafossen).

Tolles Wetter auch in Røros. Wir schlendern durch das gemütliche Städtchen. Ich hab mir das viel größer vorgestellt. (Ich falle ständig auf die Landkarten rein, weil ich unsere deutschen Maßstäbe im Kopf habe. Ich vergesse immer wieder, dass ein Ortsname auf der Karte auch nur ein Bauernhof sein kann...).
Wir suchen uns noch einen Campingplatz und schlagen unser Zelt auf. Pünktlich zum Essen kommen meine Freunde, die Mücken (die sind größer als bei uns). Jetzt probiere ich das teure Mückenschutzmittel aus dem Outdoorladen („Nobite“) aus ... und tatsächlich: die Mücken kommen zwar im Steilflug auf mich zu, drehen aber kurz vor der Haut wieder ab – genial!

Sonntag, 25.7. Røros - Osensjøen / 218 km: Die Sonne scheint und nach einem ausgedehnten Frühstück fahren wir Richtung Süden zum Femundsee.

 

Je weiter südlich wir fahren, desto bewölkter und windiger wird es. Wir machen Rast am See und fahren dann weiter zum Isterfossen. Wir beschließen wieder, die Miniwege zu fahren und landen so an der Trysilselva, auf einer Schotterpiste, die am Fluss entlang führt. Wow, ist das ein wunderschöner Fluss!! Auch hier immer wieder Angler. Dort haben wir auch wieder Rainer getroffen und gleich mitgenommen. Wir lassen die Landschaften auf uns wirken und schauen immer wieder nach Elchen....aber keiner ist in Sicht.
Die Nacht verbringen wir sehr komfortabel auf einem Campingplatz am Osensjøen in einer Hytte (400 NOK).

 

 

Montag, 26.7. Osensjøen - Stora Lesjön / 250 km: Es regnet immer noch und wir brechen in Richtung Schweden auf. Über Elverum und Kongsvinger fahren wir zur schwedischen Grenze und passieren sie schweren Herzens... Wir stellen fest, dass Schweden schöne Wälder und vor allem sehr schöne Seen hat... aber wenn man von Norwegen kommt, mit Fjord, Fjell, Wasserfällen, Seen, kargen Felsen, etc., dann fehlt irgendwie die Abwechslung... oder geht es nur uns so?
Auf der Karte sehen wir, dass es ein Naturreservat "Glaskogen" mit einem Campingplatz mittendrin gibt.
Das klingt doch toll. Wir fahren durch das Reservat und erreichen Lenungshammar... und sind beide etwas irritiert: So viele Menschen auf einem Haufen haben wir in Norwegen nirgendwo gesehen... campen konnte man nur um das Haupthaus herum, weil so viele Gruppen dort waren.... für uns definitiv zu viel los und wir fahren weiter. Wir erreichen einen See ohne Namen (zumindest steht auf meiner Karte keiner ;-) mit Campingplatz. Weil Rainer ja wieder den ganzen Tag dabei war, beschließen wir, die getauschten SEK in eine Hytte zu investieren... sie ist traumhaft gelegen – ganz am Ende des Platzes im Wald mit Blick auf den See !

Dienstag, 27.7. Stora Lesjön - Göteborg / 231 km: Ist das zu glauben? Rainer ist weg, ohne einen Ton zu sagen. Die Sonne scheint – ich sehe keine Wolke am Himmel... Leider müssen wir Richtung Göteborg fahren, von wo aus unsere Fähre Richtung Kiel geht.
Wir fahren durch die schönen Wälder Schwedens und landen auf dem Inlandsvägen.
Aber einen Abstecher zum Vänernsee müssen wir machen!! Wir fahren in eine Mini-„Straße“ hinein – ein Feldweg. Es sind ca. 5 km zum See – dort sind wir ganz alleine und legen uns noch zum Ausruhen in die Sonne auf die Felsen am Ufer – wüsste ich es nicht, würde ich sagen, das ist ein Meer... diese Weite ... Immer noch auf der Suche nach einem Elch, laufen wir herum, das einzige, was wir finden sind seine Exkremente... naja, gut zu wissen, dass er auch hier ist... irgendwo!

Wir lassen leider auch diesen See hinter uns und fahren nach Göteborg. Wir können auch gleich auf die Fähre (StenaLine), sind begeistert von der Kabine (kein Stockbett!). Die Fähre ist wieder richtig gut. Wir genießen noch das Wetter an Deck, bis wir müde in die Kajüte fallen...