Varaldsøy die Dritte

12./13.07.18 - Donnerstag und Freitag
Jaaaa, endlich Urlaub, endlich nach Norwegen!! Hoch motiviert starten wir in der Pfalz gegen halb zehn, rollen über die Autobahn und kommen mit mehreren Staus und ein paar Pinkel-Bewegungs-Essens-Pausen um kurz nach 18 Uhr auf Gut Basthorst (bei Hamburg), unserer Zwischenübernachtung, an. Wie gut, dass wir richtige „Autokinder“ haben (heißt: die quengeln fast gar nicht trotz der langen Fahrt). Auf diesem Gut geht’s uns einfach gut… (Wortspiel!) und auch hier fühlt es sich schon wie Urlaub an … Es wird lecker gegessen und ausgiebig bei Sonnenschein auf den großzügigen Wiesen getobt, um den Bewegungsmangel der Fahrt auszugleichen.
Am nächsten Morgen dauert es mal wieder bis 10 Uhr, bis alle (sehr lecker) gefrühstückt haben und wir über jede einzelne der vielen Wiesen gerannt sind... wir haben keine Eile, also lassen wir den Tag auch sehr entspannt angehen. Wir kommen gut durch - nur ein kurzer (und total unnötiger) Stau an der dänischen Grenze hält uns auf. Am riiiiesen Sandstrand kurz vor der Fähre laufen wir barfuß durch den feinen Sand, genießen die Sonne und das Meer... und dass wir endlich hier sind. Jetzt nur noch die Fähre und dann: NORGE!!
Der Hund wird auch nochmal "befrisbeet" - dann checken wir ein, Hundi kommt ins Hundehotel (nicht schön, aber Sammy, ist cool genug, um das wegzustecken) und die Kinder genießen die Kabine „med utsikt“, schauen sich die Ausfahrt aus dem Hafen an und schlafen Gott sei Dank schnell ein.

14.07.18 - Samstag
Unsanft aus dem Schlaf gerissen werden wir zunächst von der "es ist 5.45 Uhr"-Frau, die die Stavanger-Reisenden weckt. Wie gut, dass wir nochmals die Decke über den Kopf ziehen können! Später schauen sich die Kinder aus dem Fenster Norwegen von der Seeseite aus an, sie entdecken Häuser (ständig sehen sie angeglich unser Ferienhaus), Boote, Leuchttürme, Inseln... und sie finden es spannend. In aller Ruhe gehen wir – sehr teuer – frühstücken und dann ist es auch schon 9.45 Uhr, jetzt kann man für eine halbe Stunde sein Gepäck ins Auto bringen. Wir holen Hundi und bringen ihn schon mal runter. Die nächsten zwei Stunden müssen alle Gäste irgendwo herumlungern - wir entscheiden uns für das Lungern auf dem Hubschrauberlandeplatz - hier ist es windstill und die Kinder können rennen. Endlich dürfen wir von der Fähre runter, schauen kurz wegen Hundi beim Zoll rein (der gar nicht so leicht zu finden ist) und dann geht es Richtung Gjermundshamn. Bis hierhin zählen die Kinder und ich ganze 28 Tunnel :-)
Unterwegs fängt die Sonne an zu scheinen, es ist sooooo herrlich, wir fühlen uns wohl und auch ein bisschen daheim. Wir tanken auf (uns mit viel Eis, das Auto mit viel Benzin) und kaufen noch ein. Die Fährüberfahrt verbringen wir bei strahlendem Sonnenschein auf dem windigen Deck. Auf „unserer“ Insel Varaldsøy fahren wir wieder die 20 Minuten Schotterpiste (hallo Schlaglöcher) und kommen etwas durchgerüttelt zu unserem Haus... Da ist es – das Haus am Fjord mit Blick auf Meer, Berge und den Furebergfossen in der Ferne. Die Kinder freuen sich total. Und ich mich erst! Auspacken, toben, essen, der Sohnemann will unbedingt noch angeln  :-) Und siehe da: Wurf Nr. 3 (vom Ufer aus) beschert uns einen wunderschönen Pollack - Abendessen für Morgen gesichert!

 

15.07.18 - Sonntag
Es ist ein wunderbarer Morgen. Er ist allein deshalb schon wunderbar, weil wir in Norwegen sind. Und dann kommt noch dazu: Es ist so herrlich ruhig. Als ich auf die Terrasse gehe, nieselt es. Da stehe ich nun im Schlafanzug und genieße die herabfallenden Tröpfchen. Ich schließe die Augen und höre den Regen. Es ist so still, dass man genau hören kann, ob ein Tropfen den Fels berührt, das Gras, das Dach oder ob er auf der Wasseroberfläche auftrifft. Die Bagage erwacht und Halligalli ist in der Hütte. Es wird gerannt, gespielt, getobt und ausgiebig gefrühstückt. Der Niesel verzieht sich, ein paar Schweinswale schwimmen im Fjord vorbei, wir packen die Angelsachen ins Boot und starten unseren 1. Boattrip. Das Wasser ist ruhig, Sonne-Wolken-Mix am Himmel, ca. 22 Grad - perfekt. Wir fahren einfach ein bisschen rum und genießen die Landschaft. Natürlich wird immer wieder auch mal geangelt - mal mit und mal ohne Erfolg. Am Nachmittag wieder zu Hause werden es 25 Grad und wir legen uns auf die Terrasse zum sonnen. Es ist soooo gemütlich. Bei einem Spaziergang zum Kieselstrand sammeln wir Steine und füttern auf dem Rückweg noch die "armen" Schafe... immerhin war das eine Schaf schwanger und mein 5-jähriger Sohn erklärt mir, dass dieses Schaf deswegen gerade jetzt viel braucht
  :-)
Zurück am Haus spielen die Zwerge draußen Saurier, die brüllend ihre Beute jagen (wie gut, dass das Gebrüll hier keinen stört).
Es ist toll zu sehen, wie gut und sicher sich die Kinder auf den Felsen bewegen, das beruhigt mein Mutterherz … ;-), mein Mann schmeißt den Grill an und ich beginne zu kochen. Der gestern gefangene Pollack schmeckt herrlich.

 

Als ich abends auf der Terrasse sitze und die Stille genieße, beginnen sich die gegenüberliegenden Berge im Abendlicht zu verfärben. Heute Mittag hatten sie noch diese "bergtypische" gräulich-kalte Farbe - jetzt wirken sie sanft rosa mit einem leicht lilanen Stich ... Norwegen fasziniert mich immer wieder mit seinen wunderbaren Farben.

 

16.07.18 - Montag
Um 6 Uhr wache ich auf... zwei Möglichkeiten: rumdrehen und mich nochmal in die total gemütliche Decke einkuscheln... oder aufstehen. Durch den Vorhang sehe ich die Sonne scheinen - ganz klar: aufstehen. Und ich genieße diese Ruhe ohne die Kinder, keiner ist wach - nur ich und Hundi auf der Terrasse - es ist so schrecklich schön, die Morgensonne hat dieses ganz besonderes Licht. Gemütlich sitze ich hier und schaffe es sogar, ganz alleine meinen Espresso zu trinken. Nach und nach erwacht das Haus und es geht mal wieder rund. Schnell wird klar: der heutige Tag führt uns zum Insel-Badeplassen.

Dort angekommen widmen wir uns erst einmal ausgiebig dem Krebsfang mit den Keschern... brrrr, trotz Hitze (es sind knapp 30 Grad) ist das Wasser doch ziemlich frisch. Gemütlich machen wir ein kleines Picknick, dabei wird mir so warm in der Sonne, dass ich mir sage: jetzt oder nie - ich werde endlich mal im Fjord baden – nach 10 Jahren Norwegenurlaub muss das ja wohl mal sein! In dieser Bucht kann man unheimlich weit ins Wasser hineinlaufen... und es wird kalt und kälter... aber natürlich ziehe ich das jetzt durch ;-) Und dann: einmal im Wasser drin kann ich nicht genug davon haben und schwimme zur Badeinsel, die in der Bucht verankert ist. Herrrrrlich. Wieder an Land fühle ich mich 20 Jahre jünger, die Haut ist gestrafft... Das nennt man wohl Anti-Aging auf Norwegisch  :-) Wir verbringen noch einige Zeit hier, sammeln ein paar Muscheln, doch dann müssen wir noch einkaufen und der Insel-Kaufmannsladen hat immer nur kurz auf. Mein erster Satz auf Norwegisch mit der Frage nach einer Toilette für meinen Sohn wird zumindest verstanden... doch leider verstehe ich die sehr schnell gesprochene Antwort nicht - wir finden aber trotzdem das Klo!
Zurück am Haus wird eine Runde vom Ufer aus geangelt und später gibt’s Frischfisch vom Grill. Ein rundum gelungener Tag.
Abends geht mein Mann noch angeln, ich genieße mein Terrassen-Panorama - ich kann mich einfach nicht satt sehen!

17.7.18 - Dienstag
Der Sohnemann weckt mich ziemlich früh und sagt, ich müsse aufstehen... mit der Begründung, dass die Sonne ja „schon“ scheint... hmmmm, hier scheint die Sonne im Sommer auch um drei Uhr nachts... aber das nur so nebenbei… Wir schnappen uns die Fähre um 9.40 Uhr nach Årsnes. Heute geht's nach Rosendal - dort wandern wir zum Hattebergfossen. Es ist ein gemütlicher Weg über Wiesen (voll mit Schafskaka!), entlang am Fluss, eine sehr idyllische und liebliche Landschaft. Nach bereits 25 Minuten sind wir am Wasserfall, aufgrund des sehr trockenen Sommers ist er lange nicht in seiner vollen Pracht zu bewundern. Aber trotzdem gefällt er mir als Fossenfan sehr gut - und den Kindern auch  :-)
Ich liebe einfach Wasserfälle!!! Für Familien mit Kleinkindern ist diese Kurzwanderung einfach perfekt, da man schnell an einem schönen Ziel ist.
Zurück geht es auf demselben Weg, nächster Stopp ist der Steinpark. Eigentlich fahren wir nur wegen der Schaukel und der Wippe hin, da wir schon zweimal im Park selbst waren. Säge, Mühlrad und Wikinger"zelt" werden auch noch bewundert, dann treibt uns der Hunger zum Bäcker in der Stadt, der mittlerweile, wie wir feststellen müssen, leider eher ein Dekoshop geworden ist. Leckereien gibt es trotzdem und wir setzen und draußen an die Straße und genießen Wetter und Essen. Danach schlendern wir zum Hafen - viele Baustellen, alles sieht anders aus als noch vor zwei Jahren, alles mehr für den Tourismus ausgebaut... verständlich, aber irgendwie auch erschreckend. Der Einkauf wird auch noch erledigt und da wir noch eine Stunde bis zum Ablegen der Fähre haben, beschießen wir, einen Abstecher zum Furebergfossen zu machen. Mein Fossenfanherz wird heute richtig verwöhnt. Herrlich ist es hier. Neben dem Fossen ist es warm (heute sind's wieder über 25 Grad), doch vor dem Fossen weht eine kalte nasse Brise herunter. 
Abends geht mein Mann - wie eigentlich jeden Abend - noch angeln. Vom Ufer aus fängt er dieses Jahr die meisten Fische. Und ich? Na klar, ich sitze bei bestem Wetter auf der Terrasse und genieße einfach nur die Ruhe mit dem herrlichen Blick.

 

18.07.18 - Mittwoch
Am Wichtigsten im Urlaub ist doch eines: dass man sich entspannen kann und Dinge tut, zu denen man sonst nicht kommt… Also starten wir total gemütlich in den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück. Danach werden Crew und Boot bei Sonnenschein startklar gemacht. Kaum fahren wir raus und werfen die Angeln aus: Wetterumschwung und es beginnt zu regnen. Wir haben leider nicht an Regenklamotten gedacht (es hat ja auch vor und bei Abfahrt die Sonne nur so gestrahlt) und so beschließen wir, vor den Wolken davon zu fahren... und es klappt. Die Fische beißen trotzdem nicht, egal, wohin wir auch fahren. Die Landschaft sieht durch die Wolkenformationen und verschiedenen Lichteinfälle immer wieder anders aus, total schön. Die kleine Maus hat irgendwie nach etwas mehr als einer Stunde genug. Also werden „die Damen“ am Minihafen abgesetzt, die „Männer“ holen sich noch Regenklamotten und fahren nochmals raus. Unser Sammy-Boy wird auf der Wiese ausgiebig bespaßt und logischerweise müssen wir die armen Schafe auch wieder füttern. Unser Lieblingsschaf rennt tatsächlich freudig auf uns zu... auch das schwangere "Mama-Schaf" lässt nicht lange auf sich warten
:-) Ein paar der Herde sind wirklich (zur großen Freude der Kinder) unheimlich zutraulich und echt aufdringlich - sie knabbern zart am Ohr oder drücken ihre Nasen in die Hände... total süß!
Mit Erfolg wird später noch vom Ufer aus geangelt: 2 Pollacks, 1 Köhler und eine Makrele
  :-)

 

19.07.18 - Donnerstag
Mal wieder startet der Tag sonnig und ich setze mich auf die Terrasse und schaue einfach wieder durch die Gegend… so manch einer mag das langweilig finden, immer dasselbe Panorama … ich jedoch kann es bis in die kleinste Nervenfaser genießen :-). Jeden Tag blicke ich auf die Berge und das Meer, jeden Tag unterschiedliche Wolkenformationen, jeden Tag ein anderes Licht. Es ist einfach toll. Diese himmlische Ruhe ... die wird eigentlich nur durch unsere Kinder gestört...
 
Die Fähre nach Årsnes wartet nicht auf uns, also muss heute Morgen alles etwas schneller gehen. Unser Ausflug führt uns ins Handelandsdalen, das südlich von Rosendal hinter Valen liegt. Leider ist die Tourbeschreibung was den Parkplatz angeht fehlerhaft - wir stehen exakt am markierten Punkt und dort ist .... nichts. Hmmm, wir fahren einen anderen Weg hinein ... auch nichts. Ich entdecke zwei Leute auf einer Terrasse und als ich hingehe und mich bemerkbar mache, springt einer der beiden hilfsbereit auf und holt mich freundlich auf seine Terrasse, denn der Parkplatz ist von dort aus in Sichtweite, und er erklärt mir den Weg dorthin. Und so finden wir dann endlich auch den Ausgangspunkt der Wanderung. Zunächst ist der Weg etwas eintönig und unspektakulär, das ändert sich jedoch gleich nach den ersten 5 Minuten, dann läuft der nämlich Weg entlang des Flusses Handelandselva. Eigentlich ein sprudelnder Quell mit mächtig Wasser, diesen Sommer jedoch teilweise ausgetrocknet, an einer Stelle klettern wir in den Lauf eines Nebenflusses hinein (auf die normalerweise mit Wasser bedeckten Steine) - die armen Fische leben derzeit in einem kleinen übrig gebliebenen Teich. Wir entdecken aber am Hauptfluss eine schöne Stelle, an der man ohne viele Felsen hineinlaufen kann - und es dauert nicht lange, da springen wir alle samt Hund im Wasser herum. Spontanbaden
  :-) Das Wasser ist herrlich und wir bleiben eine ganze Weile an diesem wunderschönen Fleckchen Erde. Dann geht es weiter bis zum schönen Rastplatz Feto, wo wir auch unser Picknick machen. Hinter dem Rastplatz gibt es noch einen kurzen niedlichen Holzlattenweg durch einen idyllisch-moosigen Trollwald - absolut klasse! 
Zurück laufen wir denselben Weg, ohne Bade- und Fotopausen dauert der einfache Weg (wie in der Beschreibung auch angegeben) knapp 1/2 Stunde. Ein genialer Ausflug!
Zurück geht's nach Årsnes mit einem ganz kurzen Pølse-Tankstellen-Stopp, das ist eben unser Inselnachteil: wir müssen immer die Fähre bekommen, die nicht wirklich oft fährt (und 1 Bil mit 2 Voksen und 2 Barn kostet immerhin jedesmal 228 NOK...).
Daheim gönnen wir uns einen faulen Restnachmittag und lümmeln auf der Terrasse herum und abends wird der gestern gefangene Fisch gegrillt. Einfach lecker. Ich könnte mich dran gewöhnen… an den Fisch, die Ruhe und an das Rumlümmeln…

 

20.07.18 - Freitag
Wir wechseln Ausflugstage mit Daheimtagen immer ab, damit es nicht zu viel für die Kinder wird – gibt nix Schlimmeres als überdrehte Kinder ;-). Heute ist also ein Zuhausetag. Wir machen einen kleinen Bootstrip, es ist wieder total warm heute, kein Wölkchen am Himmel... und bald ist es uns auf dem Meer tatsächlich ZU warm. Unglaublich dieses Wetter. Für uns natürlich toll... für viele Einheimische aber ein großes Problem!
Wieder daheim packe ich meinen Rucksack für meine Mama-braucht-unbedingt-mal-Ruhe-Tour. Diesmal habe ich mir den inseleigenen Varden ausgesucht, das Øyefjellet mit 600 m Höhe, diese Tour fehlt mir noch von den vier Inselwanderungen. Ein bisschen Respekt habe ich ja vor der Tour. Sie wird zwar bloß mit Schwierigkeitsgrad "mittel" angegeben, aber was für einen Norweger mittel ist, kann ja vielleicht für mich durchaus schwer sein. Der Zeitbedarf wird mit 3 Stunden angegeben. Ich parke beim Øvsthus Hof (diesmal stimmt die Angabe) und laufe los. Es sind 28 Grad und der erste Teil geht in der prallen Sonne steil bergauf. Dann erreiche ich einen lichten Wald, jedes Stückchen Schatten ist willkommen. Die Tour hat es wirklich in sich, ein ständiges bergauf und bergab. Ich komme ganz schön ins Schnaufen... Ich mache kurze Foto- und Blaubeerpausen. Der Wald sieht aus wie ein Urwald, durchbrochen von herrlichen Wiesen. Diese sollte eigentlich morastig sein, sind aber total trocken. Dann kommt ein Punkt der Wanderung, an dem ich die Markierungen nicht mehr finde. Ich laufe ein ganzes Stück den Berg dort hinauf, dort wo ich denke, dass dort der Pfad weiter geht, finde aber nichts. Sicherheitshalber laufe ich das ganze Stück zur letzen sichtbaren Markierung wieder zurück... doch doch, das müsste eigentlich genau da hoch gehen. Also nochmal hoch
  :-) Auf einmal entdecke ich auf einem Stein winzige rote Farbreste - ich bin wohl richtig! Meine Beine spüren mittlerweile jede Steigung und ich merke: ich habe absolut falsche Socken an. Aber weiter geht's. Nach ca. 1,5 Stunden erreiche ich den Gipfel, kurz davor kommen mir zwei Leute entgegen (das erste Mal, dass ich auf einer meiner Wanderungen Menschen treffe). Hier oben ist es gigantisch schön - dieser Ausblick bei dem Wetter, einfach phantastisch!!! Ich mache eine halbe Stunde Rast, mache Fotos, esse und trinke etwas und trage mich natürlich ins Gipfelbuch ein. Dann mache ich mich auf den Rückweg, der natürlich wieder ordentlich in die Beine geht. Runter brauche ich nur eine Stunde trotz (wieder einmal) Fotopausen. Also habe ich die Wanderung in 2,5 Stunden gemacht statt in 3 (inklusive der 10 Minuten hin- und herlaufen)... vielleicht sollte ich einfach mal etwas langsamer laufen - dann würde ich beim Hochlaufen wahrscheinlich auch nicht so laut schnaufen ;-)
Sehnsüchtig werde ich daheim erwartet. Ich bereite gleich das Abendessen vor, Fischfilet von gestern. Yummi.
Dass ich abends mal wieder die herrlichen Farben und mein Panorama genieße ist wohl klar…
Der einzige, der die himmlische Ruhe stört, ist ab und zu mein Mann, der sich über vom Ufer aus gefangene Fische freut  :-)

 

21.07.18 - Samstag
Heute morgen haben wir einen Sonne-Wolken-Mix mit angenehmen Temperaturen. Unser Ziel ist das Hardanger Maritime Museum in Norheimsund. Wir sind natürlich an die raren Fährzeiten gebunden und müssen uns entscheiden, ob wir schon die Fähre um 8 Uhr nehmen, denn die nächste geht erst wieder um 12.30 Uhr. Bei der späten Fähre bleibt uns dort eben weniger Zeit... Aber wir entscheiden uns trotzdem für die gemütliche Variante - das ist auch gut so, denn wir stehen erst um halb acht auf, frühstücken und lassen alles ganz ruhig angehen. Ab dem Fährhafen in Gjermundshamn dauert es immerhin noch eine Stunde bis Norheimsund. Das Museum kostet 200 NOK für uns vier. Und ich muss sagen, es ist ganz toll gemacht. Lauter offene Werkstätten, in denen man den Handwerkern bei der Arbeit (Zimmerei, Schmiede, Bootsbau, Seil machen...) zuschauen kann. Leider waren bei unserem Besuch nicht viele Werkstätten besetzt (ich schätze weil Samstag war). Trotzdem ist das gesamte Museum sehr begreifbar, was gerade für die Kinder wichtig ist. Überhaupt nicht langweilig, viele Dinge zum Anfassen, Ausprobieren und selber machen. Es gibt einen Aktivitätenpfad mit zu lösenden Aufgaben, toll und spannend gemacht. Man kann sich selbst Seile oder ein Holzbötchen bauen. Mein Sohn baut mit Papa ein Boot, während meine Tochter sich lieber im Kinder-Traktorfahren übt. Alle haben Spaß!
Für die richtigen Antworten beim Aktivitätenpfad gibt's noch eine essbare Goldmünze. Dann fahren wir noch kurz zum Steindalsfossen (für mich als Fossen-Fan natürlich ein Muss). Meine Güte, was für ein Rinnsal. Der Fluss davor führt kaum Wasser und der Wasserfall, der bei unserem Besuch 2014 so kraftvoll war, plätschert nun halblebig über die Steine... er sieht richtig traurig aus, der Fossen. Mein Gott, tut mir in diesem Moment die so ausgetrocknete und dadurch gebeutelte Natur leid und ich wünsche dem Norden einfach nur Regen! 2016 war es hier so nass, dass das Wasser von überall her kam... und dieses Mal ist alles so trocken...
Die letzte Fähre zur Insel geht leider um 18.25 Uhr und somit müssen wir kurz nach 17 Uhr schon wieder aufbrechen.
Das Wetter wird kühler und windig, die Wolken hängen tief... für mich mal die Gelegenheit, früher ins Bett zu gehen (denn sonst "muss" ich ja immer so lange auf der Terrasse sitzen und die wunderbare Landschaft mit ihren Farbwechseln betrachten).

 

22.07.18 - Sonntag
Dieser Tag steht im Zeichen der Faulheit. Heute bleiben wir zu Hause. Das Wetter ist wechselhaft und es ist etwas windig. Endlich können wir mal die mitgebrachten langen Hosen und Fleece-Pullis anziehen
  :-) Am meisten wird natürlich draußen getobt und mein Mann und ich schaffen es sogar, für eine kurze Zeit auf der Terrasse in den Sonnenstühlen zu chillen, während die Kinder für sich spielen. Später erkunden wir das sehr weitläufige Gelände und suchen die Schafe, die ganz oben am Waldrand grasen (meine Güte ist das ein großes Areal!). Die Kinder rennen umher, um das tollste Futter für die Schafe zu finden... sehr praktisch, so werden sie müde und wir sitzen auf der Wiese und schauen Ihnen dabei zu. Wir genießen diese Ruhe, das ist einfach nur phantastisch. 
Abends gibt es wieder... was wohl: gegrillten Fisch. 
Mein Mann hat an diesem Abend, als er beim Angeln wieder auf dem Felsen steht, eine schöne Begegnung: eine Robbe flutscht aus dem Wasser 2 m neben ihm auf den Felsen. Mann erschreckt, Robbe erschreckt und schwups verschwindet sie wieder im Wasser. Sie taucht wieder auf und schnaubt (wütend, weil der Schlaffelsen belegt ist?), dann verschwindet sie ganz. Herrlich.

 

23.07.18 - Montag
Nach dem Frühstück soll es zum Laksparken in Ænes gehen. Viel findet man nicht in Reiseführern oder im Netz. Und auch Vorort finden wir ihn nicht - nachdem wir den CP-Betreiber gefragt haben, wissen wir, wieso: er hat zu gemacht.
Spontan-Plan B... ins Ænesdal reinwandern. Wir fahren Richtung Kirche und parken dort. Ein echt nettes Fleckchen hier mit wunderbarem Blick. Von hier läuft man auf einem Forstweg in einen bemoosten Trollwald hinein und hört auch gleich die Æneselva rauschen. Natürlich finden wir die Hauseingänge der hier ansässigen Baum-, Fels- und Moostrolle - die Kinder sind sehr beschäftigt, immer neue Trollwohnungen ausfindig zu machen
  :-) Wir laufen etwas mehr als 1/2 Stunde und finden dann eine Stelle, an der wir direkt bis zum Fluss kommen, das ist interessanter als der Forstweg. Dort machen wir eine kleine Rast, mein Sohn hilft den Baumtrollen beim Ausbau ihrer neuen Wohnung und wir genießen einfach nur die Natur. Eigentlich könnte man hier weiter gehen bis zur Ænessetra, aber wir haben Hunger und beschließen, noch nach Rosendal zu fahren und dort leckeres Smørebrød und Pfannkuchen zu essen und nehmen die Fähre um 13.40 Uhr zurück zur Insel. Angekommen ist es angenehm windstill und warm, sodass wir wieder die Liegestühle auf der Terrasse nutzen, solange die Kinder spielen. Dann wollen wir wegen der stillen See nochmals mit dem Boot raus fahren. Es ist perfektes Bootwetter: Glatte See und diesmal keine pralle Sonne. Dieses Jahr fängt man jedoch absolut nichts im Meer, das Wasser hat doch tatsächlich teilweise 18 Grad (2014 und 2016 waren es gerade mal 12)... Als wir wieder kommen, haben wir im Nebenhaus neue Nachbarn... mit zwei Hunden. Erst mal antesten, wie sich das mit unserem dominanten Vieh verhält... schnell ist klar: unser Hund ist der Boss, die anderen akzeptieren das etwas mürrisch ;-)
Am Abend wird mal wieder gegrillt, der Kühlschrank muss nun systematisch geleert werden, da wir am Freitag fahren. Heute kommt die gefangene Flunder auf den Grill. Der aufkommende Wind beschert uns immer neue Wolken- und Lichtflecken auf den Bergen und dem Fjord. Es sieht ständig anders aus, einfach schön.

 

24.07.18 - Dienstag
Der Morgen beginnt wechselhaft schön, die Temperaturen sind angenehm, 20 Grad. Die Kinder spielen wie jeden Morgen gleich im Schlafanzug draußen
:-) Kurz nach dem Frühstück beginnt es tatsächlich zu regnen. Endlich. Ich stehe auf der Terrasse und rieche den Regen - es riecht herrlich wenn das Holz der Terrasse nass wird... und das Gras... man kann fast hören, wie die Natur erleichtert seufzt. Wir packen die Kinder regenfest ein und heute ist unser Ziel, den grundstückseigenen Wald zu erkunden. Ist natürlich wieder ein Trollwald. Es ist ein richtiger Urwald und für die zwei Kinder ist es ein richtiges Abenteuer durch den Wald zu stapfen und Trolle bzw. deren Spuren zu suchen, irgendwann wird der Weg zum Pfad, dann zum Trampelpfad. Über Stock und Stein laufen wir durch den Urwald, es ist richtig schön und wir sind alle pitschnass, suchen Steine und Stöcke. Wir sind tatsächlich knapp 3 Stunden unterwegs. So schön der Ausflug an sich war... bei der 78. Zecke, die wir von unserem Hund "ernten" hören wir auf zu zählen  :-)
Zuhause wird unser Zeckenluder (= Hund) mit der Frisbee bespaßt und als es so richtig regnet, machen wir es uns im Häuschen gemütlich. Sobald es weniger regnet, rennen die Kinder sofort raus - es ist toll zu sehen, wie wohl sie sich hier fühlen. Vor dem Abendessen gehen Mann und Kinder noch vom Felsen aus angeln.
Später sitze ich bei Regen auf der Terrasse - da kein Wind geht und der Regen senkrecht fällt ("lotrechter Regen: gutes schottisches Wetter" - Zitat aus Braveheart
;-), kann ich unter dem kleinen Vordach trocken sitzen. Ich geniiiiieße diesen Regen und die 20 Grad, habe ich doch gerade gesehen, dass es zu Hause in der Pfalz jeden Tag über 35 Grad hat und alle in der Hitze zerfließen. Die andere Fjordseite ist durch die tief hängenden Wolken nicht mehr zu sehen, ganz mystisch taucht manchmal der Umriss einer der Berge dort drüben auf, es ist so schön hier. Kein Geräusch außer Regen und ab und zu das Gekreische einer Möwe oder eines Austernfischers. 

 

25.07.18 - Mittwoch
Es hat gerade aufgehört zu regnen, alles duftet so herrlich nass. Der Himmel ist wolkig, angenehme 20 Grad. Gegen 11 Uhr starten wir die Kurztour hier auf der Insel zu Nordeuropas größter Eibe: Barlinda. Diesen Weg sind wir 2014 schon einmal gegangen. Es fängt an wie ein Spaziergang, ganz eben, erst auf einem Forstweg, dann querfeldein durch die Wiesen. Irgendwann geht es dann steil bergauf durch wildes Gestrüpp auf einem Trampelpfädchen, durch den Regen ist alles glitschig und rutschig. Doch braucht man insgesamt nur eine halbe Stunde, um die Barlinda zu erreichen. Ist schon gewaltig, dieser Baum. Kinder können ohne Probleme in den Baum hineingehen, meine beiden finden es toll! Seit unserem letzten Besuch ist der große Ast vorne heruntergebrochen - kein Wunder, sie hat ja auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel... nach diesem schönen Ausflug kaufen wir noch kurz im Kaufmannsladen der Insel ein, die Kinder bekommen ein Eis und wir nehmen uns vor, uns endlich mal die Kirche der Insel anzuschauen, ist ja immerhin unser dritter Aufenthalt hier.
Die Kirche müsste dringend mal renoviert werden. Wir fahren bis zum Friedhof am Ende der Straße, dort steige ich aus, um vom Friedhof, der Kirche und dem absolut idyllischen Fleckchen hier ein paar Fotos zu machen... da kommt ein Hahn zu mir... dann noch einer und noch einer... total süß. Natürlich wollen die Kinder auch schauen, also stehen wir alle zwischen gackernden und gurrenden Viechern mitten auf der Straße … Norwegen halt…
  :-)
Die Sonne kommt raus und es wird wieder richtig warm (27 Grad). Wir genießen den restlichen Tag draußen auf Terrasse, Wiese und am Steg beim Angeln. 
Abends kann ich das Panorama nochmal so richtig genießen. Wolkenflecken wandern über die Berge und sie färben sich von rosé bis lila. Gegen 23 Uhr erscheint der Vollmond und hält mich in seinem Bann. Ich werde heute richtig verwöhnt. 

 

26.07.18 - Donnerstag
Der letzte Tag auf "unserer" Insel beginnt mit strahlendem Sonnenschein. Es tut richtig weh, so schön ist dieser Ausblick einfach und ich habe so gaaaaaar keine Lust zu packen. Mache ich erst mal auch nicht :-) Gegen 11 Uhr fahren wir nochmals zum Badeplatz. Habe ich schon mal erwähnt, dass dies eines der schönsten Fleckchen Erde ist, die ich kenne? Hach, es ist einfach herrlich. Erst werden Krebse kleine Fischlein mit dem Kescher gejagt und gefangen (und natürlich wieder freigelassen), dann wiederholen wir das Fjordbaden ... es ist schon schweinekalt dieses Wasser... aber hat man erst einmal den Punkt des Untertauchens überwunden, ist es einfach nur traumhaft frisch und man will gar nicht mehr raus
  :-) Am Ende schwimmt sogar mein Sohnemann mit mir bis zur Badeinsel. Es wird richtig voll hier bei dem Wetter (so 25 Leute waren es bestimmt…). Mittag gegessen wird daheim erst am Nachmittag, den restlichen Tag verbringen wir packend und spielend. Leider geht dieser letzte wunderschöne Tag viel zu schnell rum. 
Am Abend sitzen wir entspannt auf der Terrasse, das Panorama wir vom aufgehenden Mond gekrönt, etwas Wellengeplätscher, ab und zu ein Möwenschrei oder ein blökendes Schaf, sonst nichts... 

 

27.07.18 - Freitag
"Mama ich will mit in den Supermarkt." So weckt mich um 2.30 Uhr ein verschlafenes Kind. Ich bin richtig erschrocken. Okay, Kind zurück ins Bett ... Ich höre, dass es draußen extrem windig ist - als ich raus gehe, spüre ich heftigen Wind, der aber total lau ist, so kenne ich Wind in Norwegen gar nicht. Jedenfalls bin ich nun leider hellwach. Und dann geht auch noch der Wecker ganz früh, denn wir müssen den Rest noch ins Auto packen. Viel geschlafen habe ich nicht. Es sind morgens bereits 23 Grad auf der Terrasse, der Blick mal wieder oberherrlich und so fällt es natürlich so richtig richtig schwer, Ha det bra zu sagen. Aber es muss ja leider sein. Auf der Fähre nach Årsnes stehe ich oben an Deck und verabschiede mich so von der Insel und dem Fjord. Weiter geht es Richtung Odda und dann die 13 zum Låtefossen. Den Kindern haben wir ein Eis dort versprochen. Als wir dorthin kommen, ist es gruselig voll. So viel Verkehr, so viele Menschen... was ich nicht verstehen kann ist deren Verhalten. Sie fahren ohne Rücksicht, das Parken ist das reinste Chaos und sie laufen zu Fuß auf die Brücke um Fotos zu schießen und es ist ihnen völlig egal, dass Autos kommen. Man sollte sich immer wieder klar machen, dass wir nur zu Gast in diesem Land sind und dass diese Straßen für dort lebende Menschen Berufswege sind und sie logischerweise für auf der Straße schlendernde Touris keinerlei Verständnis aufbringen. Es ist kurz nach 12 und wir wollen so schnell wie möglich weg. Doch das Auto macht einfach keinen Mucks mehr. Nicht, gar nichts. Das ist genau das Horrorszenario, das man als Mutter vor sich hat... in der prallen Sonne (es sind über 30 Grad!!) im Ausland mit zwei kleinen Kindern eine Autopanne. Perfekt. Nach einem Telefonat mit meiner Heimatwerkstatt probieren wir deren Tipps, die leider nicht funktionieren. Gegen 12.30 Uhr dann der Anruf beim Service der "Ford-Mobilitätsgarantie“, der dann in die Wege leitet, dass jemand kommt… so in zwei oder drei Stunden. Juhu! Man malt sich ja dann - während der total spannenden Wartezeit - aus, wie das mit Gepäck vollgestopfte Auto abgeschleppt wird, man irgendwo in der Hauptsaison für 4 Personen mit Hund eine Bleibe in der Nähe der Werkstatt finden muss und Gepäck durch die Gegend schleift... mein Mann geht noch weiter und redet etwas von Ersatzteilbeschaffung, die mehrere Tage dauern könnte (ist ja nicht so, dass unsere Fähre am Sonntag in Oslo geht...). Aber ich sage zu den Kindern, dass sie ganz dolle die Daumen drücken sollen, dass uns der Mann gleich Vorort helfen kann. Außerdem hätte es schlimmer kommen können. Wir haben zwar eine Autopanne, aaaaber wir stehen am Låtefossen, man kann dort Getränke und Eis kaufen und ein Klo gibt es auch! Wir machen in der Zwischenzeit interessante Touri-Studien. Am krassesten sind wirklich die Busse, die Menschenmassen für exakt nur 8 Mintuten aussteigen lassen
… Und bei dem, was ich da sehen musste, möchte ich jedem, der sich für den Urlaub ein Womo oder einen Wowa leiht, ein Fahrtraining ans Herz legen - teilweise war die ungeübte Fahrweise für andere Verkehrsteilnehmer und vor allem auch Fußgänger richtig gefährlich! 
Nach 3 Stunden (kurz nach 15 Uhr) kommt dann endlich der Typ mit dem Abschlepper. Er checkt kurz die Lage und überbrückt die Batterie... läuft!!! (Das kommt davon, wenn man im Stehen ohne Motor immer Yakari und Benjamin Blümchen hört…). Jetzt können wir nur hoffen, dass sich die Batterie wieder auflädt und nicht vollkommen hinüber ist! Wir rollen wieder und das ist herrlich (man freut sich über solche Banalitäten ja wie blöd!). Wir beschließen, den Motor bis zum CP in Bø (dort ist eine Hütte reserviert) nicht mehr auszumachen, auch nicht bei unserem Pipistopp - zu groß ist die Angst, wieder nicht weiter zu kommen. Die Landschaft ist zwar toll, aber überall ist deutlich der Wassermangel zu sehen. Mein Plan war ja eigentlich ein Stopp in Røldal, es ist das dritte Mal, dass wir hier entlang fahren und ich wollte unbedingt mal zur Stabkirche... aber heute heißt es leider nur: fahren! Wir kommen um 18.30 Uhr total fertig (es ist soooo heiß - 33 Grad), aber glücklich auf dem CP Åsgrav an (schöner kleiner CP direkt am Fluss), die Kinder rennen sofort auf den Spielplatz, der Hund und ich gehen Gassi, auspacken, essen und noch ein Eis, das muss sein. Wir sind sehr dankbar, dass alles doch noch geklappt hat! Man, war das ein Tag.

 

 

28.07.18 - Samstag
Heute wollen wir nach Ulefoss, ich habe eine Kanalfahrt auf dem Telemarkkanal bis Lunde gebucht. Wir setzen uns mit klopfenden Herzen ins Auto und drücken alle mit mulmigem Gefühl die Daumen... es springt an. Halleluja! 
In Ulefoss können wir kurz nach unserer Ankunft auch gleich die Telemarken in die Schleuse fahren sehen. Das sieht von oben schon sehr spektakulär aus, wie das Wasser in die Schleuse schießt. Was ich toll finde ist, dass alles manuell gemacht wird, das Öffnen und Schließen der Tore dauert somit ziemlich lange. Wir gehen an Bord und los geht’s um 11 Uhr. Die Fahrt durch den Kanal ist sehr angenehm und beschaulich und die erste kleine Schleuse (Eidsfoss) lässt nicht lange auf sich warten. Es ist wirklich toll, in diese schmale Schleuse zu fahren, zu sehen, wie sich die großen Holztore schließen und das Becken geflutet wird. Der Wasserdruck, der das Wasser hineinschießen lässt, ist immens und wenn man -so wie wir - ganz vorne sitzt, wird man nass. Für die Kinder besteht an einer Stelle die Möglichkeit, am „Piratenprogramm“ teilzunehmen und auszusteigen. Der Sohnemann will Pirat spielen und geht mit Papa und Hund von Bord (inklusive tollem Piratenhut). Ich bleibe mit dem Töchterlein an Bord und kurz darauf erreichen wir die Vrangfoss-Schleuse, diese ist mit ihren 5 Stufen die größte und echt imposant. Ganz oben angekommen steigen dann die ausgesetzten Piraten wieder zu. Eine total nette Idee! Die weitere Fahrt bis zur Schleuse in Lunde ist gemütlich und führt durch die schöne Landschaft der Telemark. Wir essen noch etwas an Bord (sehr gemütlich sitzend an der frischen Luft) und schon sind die 2 Stunden Fahrt vorbei. In Lunde steigen wir aus und können noch die Henrik Ibsen und die Viktoria beobachten, bevor es mit dem Bus zurück nach Ulefoss geht, wo ja unser Auto wartet.

 

Wieder am Campingplatz angekommen leihen wir für die Kinder die hier zur Verfügung stehenden Catcars aus und die beiden toben wieder ausgelassen auf dem Spielplatz. 
Ich beschließe, nochmals eine kleine Mama-Alleine-on-Tour zu machen
J Ich parke am Bø Muesum, um an der Bøelva spazieren zu gehen (kleine Wanderung gefunden auf ut.no). Man kommt auf dem Weg gleich zum Oterholtfossen, der über die glatt geschliffenen Felsen fällt. Kein Vergleich natürlich zu den Fossen im Fjordland, aber trotzdem wunderschön. Ich laufe den Pfad weiter, der direkt an der Bøelva entlang führt. Kurze Zeit später folgen noch zwei kleine Fossen: Haugesagfossen und Berghølfossen. Der Pfad führt durch dichten Wald dann entlang eines Nebenflusses, der leider auch fast ausgetrocknet ist. Da Bø ja riesengroß und vollkommen touristisch ist, hatte ich erwartet, dass mir hier viele Leute begegnen - doch kein Mensch verirrt sich hierher... komisch, wo es hier doch so schön ist... Nach etwa 1 ½ Stunden komme ich wieder am Auto an und fahre zum CP zurück.
Abends gehen wir in Bø noch essen und stellen fest, dass wir einfach keine Stadtmenschen sind ... der Verkehr, die vielen Menschen, Auto fahrende Proleten, Touris, die oben ohne ins Restaurant gehen möchten ... nö, lieber Landei bleiben!
Aber um sich auf zu Hause einzustimmen, ist das gar nicht so schlecht. Später freut es mich sehr, dass es richtig regnet und die ausgedörrte Telemark auch ein paar Tropfen Wasser abbekommt.

 

29.07.18 - Sonntag
Nach einer Nacht mit Blitz, Donner und Regen, scheint wieder die Sonne. Wir schaffen es tatsächlich, die Hütte bis kurz nach neun zu räumen, genau wie geplant (= ein kleines Wunder!). Auf der kleinen, vor Oslo liegenden Insel Bygdøy, kommen wir um halb 12 an und gehen noch kurz spazieren. Immer wieder finde ich es faszinierend, dass direkt vor Oslo diese grüne Oase zu finden ist. Dann geht es leider schon zum Check-in von Colorline. Dort werde ich mit Namen begrüßt, bevor ich die Papiere abgebe... klar weiß er das wegen des Kennzeichens, aber irgendwie gefällt mir diese persönliche Ansprache
J Nach kurzer Wartezeit fahren wir auf die Fähre, bringen Hundi in seinen Käfig und suchen unsere Kabine, ich habe wieder med utsikt gebucht, wie letztes Jahr auch. Erst einmal wundern wir uns, dass wir zu unserer Kabine durch eine gesicherte Glastür müssen... und als wir unsere Kabinentür öffnen, bin ich mir ganz sicher, dass wir falsch sind.... Riiiiesenkabine mit Riiiesenfenster (diese schönen Erkerfenster), Sofa, verdammt großes Bad. Das habe ich definitiv nicht gebucht! Wurden wir upgegradet?? Die Tür ging ja mit unserer Karte auf, also sind wir wohl richtig. Vom Erker aus hat man eine bombastische Aussicht auf Oslo und später natürlich auf den Fjord. Weil es super windig ist, genießen wir die Aussicht von unserem Erker aus (dort kann man sich auf ein Kissen auf die Fensterbank setzen). Wenn einem so etwas Gutes so unerwartet widerfährt, kann man es doppelt und dreifach genießen. Wir wollen die Schlafcouch für die Kinder testen und suchen die Bettwäsche ohne Erfolg. Ich gehe zur Rezeption und sage, dass uns Bettwäsche fehlt. Die Dame grinst und sagt mir, dass da aber doch der Service abends kommt und uns das Bett aufbaut und herrichtet. Mir bleibt die Spucke weg und ich will gar nicht wissen, wie dämlich überrascht ich in diesem Moment geschaut haben muss. Noch doofer habe ich aber wohl geschaut, als mich die Dame dann fragte, ob wir denn Früchte auf's Zimmer haben möchten... aber klar doch! Auf dem Rückweg in unsere Kabine konnte ich einfach ich aufhören zu lachen, einfach zu herrlich ist das Ganze. So einen Luxus hatten wir noch nie!! Als uns dann Trauben, Erdbeeren und Pralinen gebracht werden fühlt sich das alles schon fast dekadent an. Aber, was soll's: wir genießen es! Die Kinder - und wir natürlich auch - finden diese Kabine einfach nur klasse!
Später gehen wir dann noch an Deck, wo unsere Kleine vor lauter Wind fast weggeblasen wird. Mehr Spaß haben die Kinder in der Kinderecke. Dort verbringen sie eine ganze Weile. Später gehen wir noch lecker Pizza essen (netter Service, gute Pizza) und dann ist es auch schon bald Schlafenszeit für die Kinder. Hundi wird noch besucht und gefüttert und wir machen es uns in der Superkabine so richtig gemütlich! Was soll ich sage: wir sind uns sicher, das haben wir uns mal verdient!
J

 

30.07.18 - Montag
Man hab ich gut geschlafen. Und als allererstes setze ich mich bevor alle wach sind in das Erkerfenster und genieße den Blick auf das Meer! Tief durchatmen und diesen Moment im Gedächtnis speichern

Bald sind alle wach und wir dürfen im "Titanic"-Raum - so nenne ich den Raum mit den hohen Fenstern und dem kitschigen riesigen Kronleuchter - lecker frühstücken (ist im Preis bei der Kabine inklusive). Wir haben das Glück, dass gerade am Fenster ein Tisch frei wird. Es ist ein richtig herrlich gemütlicher Abschluss. Es war ein rundum gelungener, wunderschöner und abwechslungsreicher Urlaub - bis auf die Autopanne, die war nicht so schön, doch auch da sind wir dankbar, dass alles noch so glimpflich abgelaufen ist - es hätte viel schlimmer kommen können! Unheimlich gefreut hat uns auch das unerwartete Kabinen-Upgrade ... 

 

Was soll ich sagen… unsere Nord-Sucht wird immer stärker und die Rückfahrt aus Norwegen lässt sich eigentlich nur mit dem Wissen ertragen, dass im Januar Finnland und im Sommer wieder Norwegen ansteht… der Virus kriegt also bald wieder Futter.

 

Farvel J